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Eliten-Debatte in England : Ein Rest Klassenkampf

  • -Aktualisiert am

Hingegossen: Jacob Rees-Mogg lag im Unterhaus wie auf einem Gemälde von Gaugin. Bild: AFP

Der sich dahinfläzende Jacob Rees-Mogg im britischen Unterhaus hat eine unerwartete Debatte ausgelöst: Seinetwegen sind die britischen Privatschulen neu in die Kritik geraten.

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          Für viele repräsentierte das Bild des sich jüngst bei einer Brexit-Debatte im Unterhaus wie auf der Chaiselongue eines Offiziersclubs räkelnden Jacob Rees-Mogg den Inbegriff jenes hochmütigen Anspruchsdenkens, das Gegner der britischen Privatschulen als Produkt von deren Ausbildung sehen. Die Grünen-Abgeordnete Caroline Lucas, die selbst, aus einem konservativen Elternhaus der oberen Mittelschicht stammend, in diesem System geschult wurde, gab zu Protokoll, dass die Körpersprache des Fraktionsvorsitzenden der Tories dessen Verachtung für die Kammer und das Volk ausdrücke, worauf dieser, wie zur Bestätigung, bloß die Stirn runzelte und mit verständnislosem Kopfschütteln seine Brille zurechtrückte. Inzwischen hat Rees-Mogg eingestanden, dass er einen Fehler gemacht hat. Er verwies zwar auf den alten ministeriellen Brauch, die Füße auf den Tisch zwischen den jeweiligen Vorderbänken zu legen, gab allerdings zu, dass es falsch gewesen ist, zugunsten der Bequemlichkeit von der Bedeutung der Debatte abzulenken.

          Gina Thomas

          Feuilletonkorrespondentin mit Sitz in London.

          Die Allüre des altmodischen konservativen Patriarchen, die der altkluge Rees-Mogg von Kindesbeinen an kultiviert hat, unterscheidet sich zwar von Boris Johnsons nicht weniger ausgefeilten Image eines linkischen Clowns, das eine Variante des britischen Understatements ist. Doch sie sind Eleven desselben Eliteinternats und symbolisieren deshalb die privilegierte Schicht von sieben Prozent der britischen Bevölkerung, die sich in den Augen ihrer Kritiker durch private Ausbildung Vorteile erkaufe und die Chancengleichheit aushebele. Diesem uralten Bild von einer britischen Bildungsapartheid hat das Kuriosum Vorschub geleistet, dass Privatschulabsolventen in der konservativen Regierung wieder verstärkt vertreten sind. Die Partei, die mit Edward Heath, Margaret Thatcher, John Major und Theresa May bewusst Vertreter einer egalitäreren Gesellschaft an die Spitze befördert hatte, vertraut jetzt zwei Eton-Absolventen ihre Führung an.

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