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Hillary Clintons Wahlkampf : Wie man sich an Politik bereichert

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Es ist weder gelungen, die Kosten an den öffentlichen Universitäten in Grenzen zu halten, noch als Alternative, ein Lehrlingswesen aufzubauen. Und das, obwohl schon Bill Clinton 1992 von solchen Plänen sprach. Kein Wunder, dass die Idee von Sanders so verfängt, kostenfreien Zugang zu den Universitäten zu verschaffen. Und viele Amerikaner wissen auch, dass ihnen die Gesundheitskosten über den Kopf wachsen. Sanders greift diese Sorgen auf, wenn er einem europäischen Modell das Wort redet. Sanders betont, wie einst Abraham Lincoln, eine Politik „of the people, by the people and for the people“. Die Tatsache, dass sein Nettovermögen im Bereich von 400.000 Dollar und damit deutlich unter den Honoraren liegt, die Frau Clinton allein von Goldman Sachs eingestrichen hat, verdeutlicht die Kluft zusätzlich. Die Clintons sind verständlicherweise wütend darüber, dass Bernie Sanders sie derart im Schwitzkasten hat. Auch wenn er es nicht deutlicher sagt, so weiß doch fast jeder Wähler, dass seine häufige Bezugnahme auf das obere ein Prozent der Gesellschaft auch auf die Clintons anspielt.

Der Eindruck bleibt, sie sei unaufrichtig

All das erklärt, warum die Menschen das Gefühl haben, dass Hillary Clinton unaufrichtig ist. Sie hatte reichlich Gelegenheit, etwas gegen die Hochfinanz zu sagen. Sie tat es nicht. Im Gegenteil, sie antichambrierte auch noch. Dies ist just die Stelle, an der das Goldman-Sachs-Thema spätestens im Hauptwahlkampf wieder zum Vorschein kommen wird: Hillary Clinton hat sich geweigert, die Mitschriften ihrer Reden publik zu machen. Laut Zeugen hat sie dabei der Hochfinanz zu sehr das Wort geredet. Das Erscheinen von Tonbandmitschnitten könnte dem Wahlkampf noch einen „Nixonian“ Moment verschaffen.

Ihre Lebensleistung besteht darin, dass es nun nicht mehr fast nur Republikaner sind, die sich auf Politik als private Bereicherungsmöglichkeit verstehen. Unter ihrer Ägide ist die Demokratische Partei zu einer Geldmaschine geworden. Werte und Moral sind das Beiwerk, nicht die Substanz. Die Wähler durchschauen auch das plumpe Manöver, unter Verweis auf die „goldenen“ Jahre bei den Löhnen und Arbeitsplätzen während der Amtszeit ihres Ehemannes, ein neues Wirtschaftswachstum zu versprechen. Dass eine Feministin derart schal ökonomisch falsche Zusammenhänge zu etablieren versucht, hat schon fast etwas Verzweifeltes an sich. Sie argumentiert dabei im Wesentlichen, dass die erwünschte Wirtschaftsleistung durch Abstimmung für die richtige Familie zu haben ist. Ein solches Denken in Clan-Zusammenhängen mag tief im Mittleren Osten verwurzelt sein. Sich auf solche Mechanismen zu stützen mutet in einer aufgeklärten Demokratie des 21. Jahrhunderts merkwürdig an. Wenn ihre Kandidatur jetzt am seidenen Faden hängt, so liegt dies daran, dass immer mehr ein Gefühl dafür haben, dass die „königliche“ Familie der Demokraten immer mit zweierlei Maß misst. Auch eher „unpolitische“ Amerikaner haben ein Gespür dafür, wenn jemand derart von sich eingenommen ist und die Reklamation des Wohls des Volkes dabei zur Methode des eigenen finanziellen Aufstiegs verkommt. Der darin erkannte Zynismus ist die Hürde, an der Clinton zu scheitern droht.

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