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Hillary Clintons Wahlkampf : Wie man sich an Politik bereichert

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An Geldnot kann es jedenfalls nicht gelegen haben. Ihr Mann hat genügend Honorare eingestrichen, um die Clintons zu einem festen Bestandteil der oberen ein Prozent der amerikanischen Gesellschaft zu machen. Es ist, als ob sie sich – ob aus feministischen Gründen oder innerehelichem Wettbewerb – in aller Öffentlichkeit beweisen musste, dass sie genauso hohe Tantiemen einstreichen kann wie ihr Mann. Es ist bei beiden einfach auch eine gewisse Arroganz im Spiel. Und beide ziehen für ihr Umfeld eher Jasager und Lakaien als Top-Personal vor.

Trump wird Sanders' Fehler nicht wiederholen

Und wie steht es um Hillary Clintons Anstrengungen, zu betonen, dass sie eine „Progressive“ sei? Der Versuch verfängt auch deshalb so wenig, weil dies der Familientradition in doppelter Weise zuwiderläuft. Die Methode des Aufstiegs der Clintons war es ja gerade, dass sie sich seit den achtziger Jahren ausdrücklich als „moderat“ und „Zentristen“ verkauft haben – um die Demokraten von ihrem damals als anzüglich empfundenen libertären Label zu befreien. Kein Wunder also, wenn junge Wähler einen ausgeprägten Sinn dafür entwickelt haben, dass die Lebensleistung der Clintons darin besteht, aus der Demokratischen Partei de facto eine Republikanische Partei à la Bush senior gemacht zu haben. Eine solche Partei ist sicherlich nicht progressiv.

Hinzu kommt, dass Hillary Clinton versucht, ihren Familienwurzeln davonzulaufen. Wenn sie ehrlich wäre, würde sie erzählen, dass sie in einem sehr republikanischen Haushalt des klassischen Fünfziger-Jahre-Typs aufgewachsen ist. Sie sieht einiges an Reformbedarf, wiegelt aber bei der wirtschaftlichen Machtfrage stark ab.

Clinton betont gerne, dass sie und ihr Mann immer schon eine Politik zugunsten der Minderheiten gemacht haben. Dies wird in den kommenden Vorwahlkämpfen eine wichtige Rolle spielen. Was sie dabei verschweigt, ist, dass es die Fingerabdrücke Bill Clintons und seiner damaligen Regierung sind, die mittels einer verschärfenden Reform der Strafgesetzgebung zu den absurd hohen Quoten der Inhaftierung junger schwarzer Männer geführt haben. Sanders weiß dies genau, aber er hat diese Tatsache bisher nicht ausgespielt, was sich als schwerer Fehler erweisen könnte. Donald Trump wird ein solcher Fehler nicht unterlaufen. Er wird diese Tatsache genauso aufs Korn nehmen, wie er die Bushs mit seinen Äußerungen zum 11. September und dem Irak-Krieg gepiesackt hat.

Schauen die Wähler hinter die Fassade?

Die Wähler werden sich auch immer bewusster, dass vieles von dem, was die Clintons über die Jahre verkauft haben, wie die Abschaffung von Glass Steagall, die Bill Clintons Unterschrift trägt, wenig Gutes zutage gefördert hat. Der Hauptvorzug dieser „Reform“ war, „seiner“ Demokratischen Partei Zugang zu den Kassen der Wall Street zu verschaffen. Von dem, was seinerzeit als große Leistung verkauft wurde, um den Demokraten genügend Wahlkampfgelder zu sichern, will das Team Clinton heute nichts mehr wissen.

Von „Keep smiling“ zu sprechen, wäre in ihrem Fall untertrieben: Hillary Clinton inmitten ihrer Fans.

Der aufgrund ausufernder Preise für Immobilien und Krankenversicherungskosten arg bedrängten Mittelschicht haben diese Manöver jedenfalls nicht genützt. Und die junge Generation erkennt schmerzlich, dass die langjährige demokratische Politik, immer mehr Menschen in immer teurere Hochschulen und immer höhere Berge von Studienschulden zu treiben, ihnen nicht geholfen hat.

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