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Gefahren der Genom-Editierung : Hände weg von unseren Genen!

  • -Aktualisiert am

„Ob er geschadet oder genützt hat, wird nicht festzustellen sein, weil man nicht weiß, wie die Mädchen sich sonst entwickelt hätten.“ Bild: Susanne Schauer

Ein schlechter Versuch: Aus der Geburt der chinesischen Zwillinge muss die Wissenschaft Konsequenzen ziehen. Sie sollte begreifen, dass Genveränderungen immer untragbare Risiken mit sich bringen. Ein Gastbeitrag.

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          Genom-Editierung durch das neue Crispr-Cas-System bedeutet, dass ein einzelnes ausgewähltes Gen in der Zelle eines lebenden Organismus gezielt und präzise verändert oder inaktiviert wird. Für die biologische und medizinische Forschung, also bei der Entwicklung von Therapien und bei der Züchtung von neuen, leistungsfähigen Nutzpflanzensorten, ist Genom-Editierung ein wahrer Segen. In der wissenschaftlichen Gemeinschaft besteht jedoch ein Konsens darüber, dass Genom-Editierung am frühen menschlichen Embryo, der für eine Schwangerschaft bestimmt ist, derzeit nicht durchgeführt werden sollte. Die Mutationen wären irreversibel und würden vererbt werden. Die Risiken sind viel zu hoch. Es können, trotz aller Präzision, auch Fehler passieren und Gene getroffen werden, die man nicht zum Ziel hatte, sogenannte Off-targets. Dies kann zu unvorhersehbaren Folgen führen.

          Entsprechend groß war der Aufschrei der wissenschaftlichen Gemeinschaft über den Bericht von zwei genetisch veränderten Mädchen, die kürzlich in China geboren wurden. In der vergangenen Woche haben die Organisatoren des internationalen Kongresses zum Human Genome Editing in Hongkong das Vorpreschen des chinesischen Wissenschaftlers He Jiankui in Gestalt eines Komitees aus vierzehn Wissenschaftlern aus Amerika, England, Frankreich, China, Korea, Indien, Australien und Japan (Deutschland hat sich mit seinem strengen Embryonenschutzgesetz aus der internationalen Debatte ausgeklinkt) streng verurteilt.

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