https://www.faz.net/-gqz-9hfwk

Gefahren der Genom-Editierung : Hände weg von unseren Genen!

  • -Aktualisiert am

„Ob er geschadet oder genützt hat, wird nicht festzustellen sein, weil man nicht weiß, wie die Mädchen sich sonst entwickelt hätten.“ Bild: Susanne Schauer

Ein schlechter Versuch: Aus der Geburt der chinesischen Zwillinge muss die Wissenschaft Konsequenzen ziehen. Sie sollte begreifen, dass Genveränderungen immer untragbare Risiken mit sich bringen. Ein Gastbeitrag.

          8 Min.

          Genom-Editierung durch das neue Crispr-Cas-System bedeutet, dass ein einzelnes ausgewähltes Gen in der Zelle eines lebenden Organismus gezielt und präzise verändert oder inaktiviert wird. Für die biologische und medizinische Forschung, also bei der Entwicklung von Therapien und bei der Züchtung von neuen, leistungsfähigen Nutzpflanzensorten, ist Genom-Editierung ein wahrer Segen. In der wissenschaftlichen Gemeinschaft besteht jedoch ein Konsens darüber, dass Genom-Editierung am frühen menschlichen Embryo, der für eine Schwangerschaft bestimmt ist, derzeit nicht durchgeführt werden sollte. Die Mutationen wären irreversibel und würden vererbt werden. Die Risiken sind viel zu hoch. Es können, trotz aller Präzision, auch Fehler passieren und Gene getroffen werden, die man nicht zum Ziel hatte, sogenannte Off-targets. Dies kann zu unvorhersehbaren Folgen führen.

          Entsprechend groß war der Aufschrei der wissenschaftlichen Gemeinschaft über den Bericht von zwei genetisch veränderten Mädchen, die kürzlich in China geboren wurden. In der vergangenen Woche haben die Organisatoren des internationalen Kongresses zum Human Genome Editing in Hongkong das Vorpreschen des chinesischen Wissenschaftlers He Jiankui in Gestalt eines Komitees aus vierzehn Wissenschaftlern aus Amerika, England, Frankreich, China, Korea, Indien, Australien und Japan (Deutschland hat sich mit seinem strengen Embryonenschutzgesetz aus der internationalen Debatte ausgeklinkt) streng verurteilt.

          Testen Sie unser Angebot.
          Jetzt weiterlesen.
          Testen Sie unsere Angebote.
          F.A.Z. PLUS:

            FAZ.NET komplett

          Diese und viele weitere Artikel lesen Sie mit F+
          Wie sensibel darf es sein? Der Philosoph Richard David Precht während der phil.Cologne im September 2021

          Precht und Flaßpöhler : Sie nennen es Freiheit

          Die haltlosen Behauptungen der Impfskeptiker dringen immer weiter in die bürgerliche Mitte vor. Für die neue pandemische Situation ist das fatal.
          Kölner Parallelwelt: Volle Ränge beim Spitzenspiel gegen Mönchengladbach

          Volles Stadion in Corona-Krise : Bundesliga-Spitzenspiel in Absurdistan

          Empörung und Fassungslosigkeit vieler Menschen beim Blick auf das volle Stadion in Köln sind verständlich. Aber allein der Bundesliga dieses groteske Bild vorzuwerfen, wäre zu leicht.