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Corona-Pandemie : Genug gewartet!

Warten ist das halbe Leben: Schlange vor einem Impfzentrum in Leicester in Großbritannien. Bild: dpa

Corona-Impfung, PCR-Tests, fallende Inzidenz und im Sommer wird vielleicht endlich alles gut: Unser Leben ist zur Warteschleife geworden. Zeit, Pläne zu schmieden.

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          Ein Ziel mit Datum besänftigt den Wartenden. Die Bundesregierung nannte also das Ende dieses Monats als wichtige Marke auf dem Weg zur Herdenimmunität: Achtzig Prozent sollte die Impfquote dann betragen. Nun wird dieses Ziel nicht erreicht – also weiter warten, als hätte man nicht längst zu oft zu lange gewartet: auf neue Ministerpräsidentenbeschlüsse, dass die Inzidenzwerte und Reisebeschränkungen fallen, auf die erste Impfung, die zweite und schließlich die dritte Impfung, auf die Fitnessstudio-Wiedereröffnung, auf die PCR-Testergebnisse.

          Melanie Mühl
          Redakteurin im Feuilleton.

          Als das Kind Kind war, hieß es: Geduld werde belohnt. Also lernte man zu warten. Auf die nächste Eisdiele, die Geburtstagsfeier der besten Freundin, den ersten Schnee. Später ging das Warten weiter: auf Züge, an Supermarktkassen, auf besseres Wetter, die ersehnte E-Mail nach einem heftigen Streit. Im Gegensatz zu früher wusste man jetzt, dass Geduld nicht immer belohnt wird. Man wusste auch, dass das Wartenlassen ein Instrument der Machtausübung ist. Im Privaten genauso wie im Politischen. Wer andere warten lässt, hat Macht über sie. In der Liebe zu lange zu warten ist eine Qual.

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