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Ethnologie im Museum : Die Schnelljustiz der postkolonialen Aktivisten

  • -Aktualisiert am

Die Nachfahren seiner Erbauer wollen es nicht zurückhaben, sondern seine Herstellungstechniken studieren: das Luf-Boot im Berliner Humboldt-Forum Bild: Paul Langrock/laif

Ethnologische Objekte sind nicht nur Raub- oder Beutegut, sondern Archive von kulturellen Techniken und Kenntnissen. Brigitta Hauser-Schäublin im Gastbeitrag zur Verteidigung eines Fachs.

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          Museumsobjekte haben eine Vorder- und eine Rückseite. In den Vitrinen sieht man meistens nur die Schauseite. Es ist diejenige Seite, die im Warenkatalog des Kunstmarktes in Euros und Dollars angegeben wird. Aber in den vergangenen Jahren haben postkoloniale Aktivisten die Rückseite immer mehr in den Vordergrund geschoben. Dort befindet sich die Inventarnummer. Sie verweist auf den „Beipack­zettel“ – Karteikarte und Eingangsbuch. Diese geben Aufschluss über Herkunft, Erwerb, Maße und Funktion des Artefakts.

          Der Beipackzettel – lange Zeit nur als nebensächliches Anhängsel betrachtet – wurde zum Hauptgegenstand der Untersuchung von Museumsobjekten, die aus der Kolonialzeit stammen. Als Folie dafür dienen vielfach jene Kunstwerke, die in den Verdacht gerieten, Nazi-Raubgut zu sein. Tatsächlich wird diese – zweifelhafte – Analogie auch von postkolonialen Aktivisten immer wieder gezogen, mit entsprechenden Auswirkungen auf die Unter­suchungen. Es steht außer Frage, dass es grauenhafte koloniale Verbrechen gab, wie den Genozid in Namibia, aber diese waren Ausnahmen, kein systemisches Ziel.

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