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Universelle Sprache : Warum ersetzen wir Buchstaben durch Emojis?

„Schmerz“ Bild: emojiisland

Kann es eine Zeichensprache geben, die die ganze Welt versteht? Und was bedeutet der Siegeszug der Emojis über die Buchstaben für die Gegenwart?

          6 Min.

          Irgendwann waren die Buchstaben verschwunden. Irgendwann kam die erste SMS an, die nur aus kleinen Bildern bestand, ein buntes Gerümpel aus Formen, das auf den ersten Blick aussah wie der Plastikmüll, den Winterstürme am Ufer eines Strandes anspülen. Auf den zweiten Blick entpuppte es sich als sorgsam zusammengestellte Botschaft: Rennende Figur, Eisenbahn, Staubwolke, Uhr, achselzuckende Figur, Kothaufen – das hieß etwa: Sorry, habe meinen Zug verpasst, obwohl ich gerannt bin, tut mir leid, da kann ich jetzt halt auch nichts mehr machen.

          Niklas Maak
          Redakteur im Feuilleton.

          Wenn man verstehen will, wie es zu dieser ikonischen Wende in der Alltagskommunikation kam, zum vollkommenen Ersatz der Buchstaben durch Bilder, muss man ein wenig in der Geschichte zurückgehen, ins Rom des späten 16. Jahrhunderts, zu dem Mann, der die folgenreichste Bildersammlung der Welt erfand. Dieser Mann nannte sich Cesare Ripa und war kein Künstler; er war Koch. Man weiß erstaunlich wenig über ihn – nur, dass er neben seiner eigentlichen Arbeit am Hof von Kardinal Salviati, in seinen Nächten und freien Momenten, an einem vollkommen irrsinnigen Werk arbeitete, einer Art Lexikon, mit dem er nicht weniger als die ganze Welt darstellbar machen wollte. Für jedes denkbare Phänomen – den Morgen, den Zorn, verschiedene Formen von Liebe, die Insel Sardinien, den Glauben, Ratlosigkeit, Melancholie – wollte Ripa eine Allegorie erfinden, die jeder würde lesen und verstehen können: eine Welterfassung und Weltbeschreibung in Hunderten von symbolischen Bildern.

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