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Katholische Priester : Warum eine Aufhebung des Zölibats kein Traditionsbruch ist

  • -Aktualisiert am

Priester liegen während einer Weihezeremonie im Petersdom mit dem Gesicht nach unten auf dem Boden. Bild: dpa

Es gibt keine einzige durchgehende Begründung, die zweitausend Jahre überdauert hat. Ehe und Weihe stehen nicht gegeneinander. Ein Gastbeitrag.

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          „Wenn man (...) die Schönheit des zölibatären Priestertums hervorhebt, soll man nicht die parallele und gleichfalls apostolische Tradition eines Priestertums zerstören oder missachten, das die Bande der heiligen Ehe auf sich genommen hat.“ So formulierte der Patriarch der melkitischen griechisch-katholischen Kirche, Maximos IV. Saigh, bei den Beratungen um „Presbyterorum ordinis“ auf dem Zweiten Vatikanischen Konzil. Und im Hinblick auf die schon damals geführten heftigen Auseinandersetzungen um die Aufhebung des Zölibatsgesetzes bemerkte er lapidar: „Das Priestertum ist eher eine Funktion als ein Lebensstand. Es ist nicht an die persönliche Vervollkommnung gebunden, (...) sondern an den Nutzen der Kirche. Der Zölibat kann daher verschwinden, wenn es der Nutzen des kirchlichen Amtes erfordert. Im Bedarfsfall muss nicht das Priestertum dem Zölibat, sondern der Zölibat dem Priestertum geopfert werden.“

          Der Patriarch führte damit eine entscheidende moraltheologische Kategorie in die Diskussion um das Junktim von Zölibat und priesterlichem Amt ein: die Güterabwägung. Der Blick in die Kirchengeschichte zeigt, dass die Entscheidung pro oder contra Zölibat nie absolut, sondern stets das Resultat von Güterabwägungen war, weshalb sie auch ganz unterschiedlich ausfallen konnte.

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