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Legalisierung von Drogen : Schützt unsere Kinder, stoppt die Prohibition!

Jack A. Cole 1978 im Einsatz als Drogenfahdner Bild: Foto privat

Es sind nicht Kiffer und Sozialromantiker, die für die Legalisierung von Drogen trommeln. Es sind Richter und Polizisten, die sagen: Wirklich gefährlich ist das Verbot. Jack Cole war einer der Ersten.

          Vor kurzem hat sich auch der amtliche Deutschrapper Thomas D. in die Legalisierungsdebatte eingeschaltet, indem er, erstens, einen neuen Song veröffentlichte, welcher dazu auffordert, „ein paar Drogen (zu) schmeißen“, sowie, zweitens, gleich auch noch in einem Interview ein wenig Kiffer-Romantik nachglühte, vom Rausch als „Braut des Künstlers“ schwärmte und sich ausdrücklich für die Legalisierung von Cannabis aussprach.

          Harald Staun

          Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          So richtig aufregen konnte sich darüber natürlich keiner. Dass sich ein kiffender Rapper fürs Kiffen ausspricht, ist halt dann doch keine Nachricht. Nur einer passte der Bürgerschreck aus dem Bilderbuch perfekt in ihren Kram: der CSU-Politikerin Marlene Mortler. Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung war auftragsgemäß sehr besorgt, erinnerte Thomas D. an seinen „Vorbildcharakter“ und bezeichnete das „Kleinreden der Gefahren dieser Droge durch Legalisierungsbefürworter“ als „verantwortungslos“.

          Ein völlig falsches Signal

          Worin genau die Verantwortungslosigkeit bestehen soll, erwähnte Mortler nicht, wozu auch. Der Hinweis darauf, dass eine Legalisierung zwangsläufig einen erhöhten Drogenkonsum zur Folge habe, ist ein jahrzehntelang eingeübter Reflex. Praktischerweise hatte Mortler auch den soeben erschienenen Jahresbericht der deutschen Beobachtungsstelle für Drogen dabei, in welchem zwar, wenn man ihn genauer liest, vor allem steht, dass sich bei deutschen Kiffern seit Jahren kaum etwas ändert: Cannabis ist nach wie vor die am häufigsten konsumierte illegale Droge im Land, der regelmäßige Konsum unter Jugendlichen ist jahrelang so gut wie nicht gestiegen.

          Aber Mortler hat die über 200 Seiten des Berichts offenbar so lange gelesen, bis sie doch eine einigermaßen alarmierende Zahl gefunden hat: So stieg der Anteil der Cannabiskonsumenten an jenen Menschen, die sich wegen Suchtproblemen in Behandlung begeben, von 58,4 auf 59,5 Prozent. Man muss sich gar nicht die Mühe machen, die empirische Basis oder die statistischen Defizite dieses „Trends“ zu prüfen, um zu sehen, dass er alles Mögliche belegen kann, am Ende womöglich sogar den Erfolg der Suchtberatungsstellen. Für Mortler allerdings können die Zahlen nur eines bedeuten: dass eine Legalisierung von Cannabis „ein völlig falsches Signal“ wäre, welches „diesen Trend noch verstärken“ würde.

          Gras von gestern

          Womöglich ist es ja genau dieser Stillstand, der dazu führt, dass auch die deutsche Drogenpolitik zurzeit wie stoned in der Ecke liegt. Wer sich auch nur entfernt mit den Argumenten beschäftigt hat, die von immer mehr Seiten für die Legalisierung von Drogen vorgebracht werden, kann es kaum fassen, dass sich die zuständigen Politiker nicht einmal die Mühe machen, sie zu widerlegen. Sie sind nicht nur gegen jede Form der Legalisierung, sondern verweigern sich jeder konstruktiven Debatte. Eine Drogenfreigabe, das ist das Dogma dieser Politik (und meistens ihr einziges Gegenargument), würde Drogen enttabuisieren und neue Anreize für den Konsum schaffen. Und weil man alle Erfahrungen ignoriert, die diesen angeblichen Zusammenhang anzweifeln, ist es am Ende völlig egal, was in den jährlichen Drogenberichten steht: Geht die Zahl der Drogenabhängigen zurück, beweist das den Erfolg der Prohibition, nimmt sie zu, muss man sie noch verschärfen.

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