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Pachamama-Figuren : Päpstlicher als der Papst

Feier in den vatikanischen Gärten: Besucher vom Amazonas überreichen Papst Franziskus eine Pachamama-Figur. Bild: Picture-Alliance

Verstoß gegen erstes Gebot: Der Dieb, der während der Amazonas-Synode in Rom die indigenen Holzfiguren raubte und anschließend in den Tiber warf, hat sich nun als religiöser Aktivist bekannt.

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          Der Typ, der die in einer römischen Kirche aufgestellten Pachamama-Figuren raubte und in den Tiber warf, hölzerne Darstellungen der indigenen Mutter-Erde-Göttin in Gestalt einer schwangeren Frau, eben dieser Typ hat sich als jugendlicher Aktivist nun zu seiner Drastik bekannt. „Ich wollte dafür sorgen“, erklärte er, „dass diese Götzen nicht mehr in der Kirche und zu kirchlichen Zwecken benutzt werden. Daher schien es mir symbolisch am besten, sie in den Tiber zu werfen.“

          Es sei dies kein Akt gegen die Indigenen oder gegen den Papst gewesen, so fuhr er fort, sondern allein darum sei es gegangen, „diesen sichtbaren Verstoß gegen das erste Gebot“ – Du sollst keine anderen Götter neben mir haben – unmöglich zu machen. Der Papst wiederum hatte die Figuren während der römischen Amazonas-Synode protegiert und sich für ihren Raub dann auch öffentlich entschuldigt und sich hocherfreut gezeigt, als es den Carabinieri gelungen war, die Pachamamas aus dem Flußwasser zu bergen, welche doch ohne jede götzendienerische Absicht, wie der Papst versicherte, in besagter Kirche aufgestellt gewesen seien.

          Wie sie im Übrigen ja auch in seinem Beisein schon bei einer Zeremonie in den Vatikanischen Gärten Verwendung gefunden hatten und in bischöflicher Prozession in die Synodenaula getragen worden waren, dem Augenschein nach einer synkretistischen Exaltation tatsächlich nicht unähnlich, wüsste man nichts von den päpstlich beglaubigten entgegenstehenden Absichten.

          Der Vorgang hat etwas Bizarres, insofern dieser nicht geplante Pachamama-Aufreger im Nachhinein die akribische, auf Reformthemen gerichtete Synodenregie brüskiert. Scheiden sich nun am Kult der Pachamama die christlichen Geister? Ist der bilderstürmende Aktivist ein Fundamentalist reinsten Tiberwassers – oder der Robin Hood des Ersten Gebots gegen dessen vatikanische Verächter?

          Dass die Antwort offenbar nicht auf der Hand liegt, zeigt die Verlegenheit, in die sich eine Religion manövriert hat, welche jahrhundertelang um Wahrheit und Irrtum als ihre Leitbegriffe kreiste, um sie als solche dann stillschweigend zur Seite zu legen. Da reicht es für eine theologische Karambolage, dass die Pachamama um Kirchenasyl bittet, sich auf das päpstliche Bonmot berufend, alles hänge doch mit allem zusammen.

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