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Separatismus in Europa : Ausschluss bei Abspaltung

  • -Aktualisiert am

Demonstrieren für die Unabhängigkeit: Auch die Katalanen fordern ein Referendum. Bild: dpa

Das schottische Referendum wird für das Vereinigte Königreich eher geringfügige Folgen haben. Die Kaste der europäischen Bürokraten in Brüssel indes versetzt es in Panik. Sie werden umdenken müssen.

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          Eine Umfrage Anfang September, die erstmals ein knappes Ja der Schotten für die Unabhängigkeit der Heimat von Braveheart und Walter Scott ergab, hat gereicht, um die Kaste der europäischen Bürokraten in Panik zu versetzen. In den höchsten Sphären, in Brüssel wie im Elysée, versucht man verzweifelt, die Unruhe zu kaschieren: Was nicht sein darf, kann nicht sein. Eine Woche später bewirkte eine ganze Reihe von Umfragen, die jetzt einen Verbleib Schottlands im Vereinigten Königreich versprachen, keinerlei Rückkehr zur Gelassenheit. Denn inzwischen, am 11. September, hatte in Barcelona eine Massendemonstration, die sich auf das schottische Beispiel stützte, von Madrid eine Abstimmung gefordert.

          An deren allfälligem Ausgang bestehen, anders als in Schottland, kaum irgendwelche Zweifel. Zu stark hat sich die Idee der Unabhängigkeit in Katalonien durchzusetzen vermocht. Gleichzeitig sind die flämischen Separatisten von Bart De Wever relativ lautlos, aber hartnäckig dabei, den belgischen Staat im Rahmen der Verhandlungen über eine neue Regierung weiter auszuhöhlen.

          Paradoxerweise wird das schottische Referendum, auch wenn es eine paneuropäische Bewegung auslöst und ganz unabhängig von seinem Ausgang, für das Vereinigte Königreich eher geringfügige Folgen haben. Das in jedem Fall zu erwartende knappe Resultat - so in der Größenordnung 51:49 - wird es Alex Salmond nicht ermöglichen, mehr als einen Operettenstaat zu errichten. Westminster und Downing Street werden die Kontrolle über die Diplomatie, die Armee, die Währung behalten - und Elisabeth II. die Krone wie das Wohnrecht im Schloss Balmoral.

          Das Modell Schweiz

          Im Übrigen hat Salmond bereits erreicht, was er will: mehr Kompetenzen für seine regionale Regierung, die sich auf die starke Mehrheit der Autonomisten unter der Führung der Scottish National Party (SNP) stützen kann. Ob das Ja oder das Nein siegen wird: Der Pragmatiker Alex Salmond wird mit London einen Weg des Ausgleichs finden, und die ganze „Affäre“ wird verpuffen. Es gibt eine schottische Identität, sie gründet auf dem historischen Roman und der Religion; aber der gemeinsame britische Kulturraum (die Sprache und die Insel, welche die Beziehung zum Rest der Welt prägt) ist genauso eine Realität.

          Doch in Flandern und Katalonien wird die Forderung nach einem „Recht der Völker auf Selbstbestimmung“ wohl noch stärker werden. Das könnte auch auf weitere Regionen mit ausgeprägter Identität zutreffen. Oder für Bevölkerungsgruppen, die in Nationen leben, zu denen sie sich nicht zugehörig fühlen: zum Beispiel die Ungarn in Rumänien und der Slowakei. Man war in Europa zu sehr der Überzeugung, dass die europäische Vereinigung, die Aufhebung der Grenzen und der freie Personenverkehr diese „Anachronismen“ und überwunden geglaubten Identitäten in die Rumpelkammer der „Welt von gestern“ verdrängen würden.

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