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Anhänger der AfD : Russen sind die besseren Deutschen

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Die AfD-Chefin Frauke Petry mit Russlanddeutschen im nordrhein-westfälischen Wahlkampf Bild: 60067150 © Roland Geisheimer /

Unter Russlanddeutschen ist die AfD die beliebteste Partei. Das liegt vor allem daran, dass keine andere sich um diese Einwanderer kümmert.

          Nach der Bundestagswahl wird die Aufregung groß sein, so groß wie nach dem türkischen Referendum. Man wird feststellen, dass ein Großteil der deutschen Wähler mit einem bestimmten Migrationshintergrund offensichtlich keine liberale Demokratie mag und für die AfD gestimmt hat. Die Aufregung wird umso stärker sein, weil es sich um die größte wahlberechtigte Einwanderergruppe handelt und deren Stimmen sich sichtbar auf das gesamte Wahlergebnis auswirken werden.

          Nach der Einschätzung des Wahl - und Integrationsforschers Andreas M. Wüst (Mannheimer Zentrum für Europäische Sozialforschung) machen die Einwanderer aus der ehemaligen Sowjetunion und ihre in Deutschland geborenen Kinder etwa drei Prozent der deutschen Wählerschaft aus*. Bei den Landtagswahlen in Berlin, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg erzielte die AfD in den Wahlkreisen, wo besonders viele Ex-Sowjetbürger leben, Rekordergebnisse, mancherorts mehr als vierzig Prozent. Wie viele Stimmen die AfD von diesen Wählern bei der Bundestagswahl bekommt, kann niemand voraussagen. Es werden nicht wenige sein; denn so, wie es heute aussieht, ist die AfD die einzige Partei, die sich für diese Wähler interessiert. Auch wenn diese Wähler es gerne anders hätten.

          Hier ist sie praktisch inkognito

          Die „Weltmusik, Klezmer und Ästhetik Akademie e. V.“ residiert in einem unspektakulären Wohnhaus in der Kölner Innenstadt, meistens wird dort Musik gespielt, werden jüdische und russische Lieder gesungen. Der Eingang ist über den Hof, nicht so leicht zu finden. Ein großer Mann – weißes Hemd, propere Frisur – schaut sich hilflos um und fragt endlich, wo die Veranstaltung der AfD stattfinde. Eigentlich sucht er die Diskussionsrunde zum Thema Deutschlands Zukunft nach der Bundestagswahl; darüber wollen Vertreter politischer Parteien in den Räumen der Akademie mit den Wählern auf Russisch debattieren. Dabei ist „wollen“ offensichtlich nicht das richtige Wort. Die CDU ist nicht vertreten, die FDP und die Linke sind es ebenfalls nicht. Die Einladungen der Veranstalter, des Bundesverbands russischsprachiger Eltern (BVRE), erzählt das Vorstandsmitglied Victor Ostrovsky, bleiben oft ohne Antwort. Also sitzen im großen Raum der Akademie an diesem Sonntag, eine Woche vor der Wahl in NRW, im Kreis etwa vierzig Leute, darunter ein Kommunalpolitiker der SPD aus Berlin, Gurban Alakbarov; die Veteranin der Kölner Grünen, Diana Siebert; und zwei Aktivisten der nordrhein-westfälischen AfD.

          Einer von ihnen ist Eugen Schmidt, der das Netzwerk „Russlanddeutsche für die AfD“ betreibt und auf Platz 17 der AfD-Liste für den Bundestag kandidiert. Wahrscheinlich ist der 41-jähriger Informatiker jetzt schon der bekannteste aus Russland stammende Politiker der Bundesrepublik. Ebenfalls anwesend ist die Noch-Landtagsabgeordnete Ingrid Hack (SPD); es ist ihr Wahlkreis. Ihr Gesicht kennt man von den Wahlplakaten, sie hängen buchstäblich vor der Tür, aber hier ist sie praktisch inkognito, sie spricht kein Russisch, sie will keine Ansprache halten, auch wenn alle Anwesenden Deutsch sprechen, sie will sich nicht beteiligen, auch wenn eine Mitarbeiterin für sie dolmetscht.

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