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Das korrupte System Fifa : Die Mauer wartet auf den Freistoß

Ob das Spiel für Joseph Blatter wirklich schon vorbei ist? Demonstranten fordern am Mittwoch in Zürich den Rücktritt des Fifa-Präsidenten. Bild: AP

Was müsste passieren, damit das System Joseph Blatter beim Weltfußballverband Fifa endlich in sich zusammenstürzt? Es scheint kein Kraut gewachsen gegen diese Korruption – die wir alle mitfinanzieren.

          Als am 9. November 1989 die Berliner Mauer fiel, sagte der Journalist Stefan Aust im Fernsehen einen klugen Satz: „Meine sehr geehrten Damen und Herren, das war der Tag, an dem der Zweite Weltkrieg zu Ende ging.“ So war es. An den Fall der Mauer fühlt sich jetzt der Chefredakteur des Fußballmagazins „11 Freunde“ erinnert, da sieben Spitzenfunktionäre des Weltfußballverbands Fifa unter dem Verdacht der Korruption festgenommen worden sind. Das nächste Unrechtsregime implodiert, soll das heißen. Diesmal geht es um eines, das nicht nur einen halben Kontinent, sondern die ganze Welt umfasst. Das ist eine optimistische Prognose, deren Halbwertzeit vielleicht schon heute endet - wenn Joseph Blatter abermals zum Präsidenten der Fifa gewählt wird. Dann würde er sich endgültig als unangreifbar erweisen, als Herrscher, der über dem Gesetz steht, die Kategorien von richtig und falsch, von Wahrheit und Lüge, von Schuld und Unschuld außer Kraft setzt.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Es ist schon beeindruckend, welches Ausmaß die Korruptionsvorwürfe gegen die Fifa und das „System Blatter“ im Laufe der Jahre angenommen haben, ohne dass etwas geschehen wäre. Die Erklärung ist simpel: Es gibt Kläger, es gibt Indizien und Beweise, aber es gibt - es gab bis zum vergangenen Mittwoch - keinen Richter über den Weltfußballverband, der keine interne Gewaltenteilung kennt und die fortwährende Verlotterung der Sitten mit einem vermeintlichen Prozess der Reform und internen Reinigung bemäntelt.

          Wir finanzieren die Fifa mit

          Gestützt wird dieses System allerdings nicht nur von denen, die, wie der frühere Fifa-Vizepräsident Jack Warner, Geld nehmen, sondern auch von denen, die es geben. Und das sind wir alle. Zu den Annehmlichkeiten der Weltfußballmafia trägt nämlich bei, dass sie bei ihrem bestechenden Finanzausgleich - gegen Zuschüsse für einzelne Fußballverbände gibt es die Stimmen von deren Vertretern, die eine oder andere Million verschwindet en passant - mit dem saubersten Geld überhaupt handelt.

          210 Millionen Euro haben sich die öffentlich-rechtlichen Sender ARD und ZDF die Fernsehrechte für die WM 2014 kosten lassen. Da wird auch im Ersten extra ein WM-Club vom Berliner Badeschiff eingerichtet.

          Zwischen 2010 und 2014 hat die Fifa einen Umsatz von 5,7 Milliarden Dollar gemacht. Ein Großteil davon stammt aus der Vermarktung der Fußball-Weltmeisterschaften. Diese beruht zum überwiegenden Teil auf dem Verkauf von Fernsehrechten, vor allem in Europa. Und dort wiederum wird mit öffentlichem Geld bezahlt, in Deutschland mit dem Rundfunkbeitrag. 2,5 Milliarden Dollar soll die WM im vergangenen Jahr der Fifa beschert haben. Mit 210 Millionen Euro haben die öffentlich-rechtlichen Sender ARD und ZDF dazu beigetragen. Für die WM 2018 in Russland werden 218 Millionen Euro ausgegeben, für die WM 2022 in Qatar 214 Millionen Euro.

          Zwischen legal und illegal liegt nur eine Überweisung

          Wobei der Vertrag über Qatar auch noch unüblich früh abgeschlossen wurde - zu Pfingsten vor einem Jahr. Das war vor der WM in Brasilien, und es war bevor der einstige amerikanische Bundesanwalt Michael J. Garcia seinen Bericht als Fifa-Chefermittler vorlegte. In diesem sollen sich unter anderem Hinweise auf Korruption bei der Vergabe der Weltmeisterschaften nach Russland und Qatar finden. Von der Fifa hat man dazu seitdem nichts mehr gehört, Garcia schmiss seinen Job bekanntlich unter Protest hin. Was auch immer aus den Wettbewerben von Putins und der Qatarer Gnaden wird - die Fernsehrechte sind unter Dach und Fach, die dabei gehandelten Summen sind nicht nur in Deutschland astronomisch, amerikanische Sender haben sich die Rechte an den kommenden beiden Weltmeisterschaften 425 Millionen Dollar kosten lassen. Die Quelle sprudelt.

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