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Freiheitssymbolik in New York : Wahnbilder

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Blick hinunter in den Bienenkorb: das „Vessel“ in den New Yorker Hudson Yards am Eröffnungstag im März Bild: AP

Bei schneidendem Wind auf der neuen Wahrzeichenhoffnung New Yorks, bei den Clowns auf dem Broadway, beim Präsidenten im Trump Tower: Eindrücke aus einer Stadt, in der es um die Freiheit geht.

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          Es ist kalt in New York. Über Nacht sind die Temperaturen unter null gefallen. Auf dem „Vessel“, der vor kurzem eröffneten neuen Wahrzeichenhoffnung der Stadt in den Hudson Yards, erobern sich ein paar Unerschrockene den öffentlichen Kunstraum und klettern im schneidenden Wind die 2500 Treppenstufen der stählernen Bienenwabe hinauf. Die verschiedenen Einzelteile der Statue wurden in Monfalcone in Norditalien auf Schiffe verladen und übers Meer in die Neue Welt geschickt – gewissermaßen als Reenactment des Transports der Freiheitsstatue, die 1878 ja auch in 350 Teile zerlegt durch stürmisches Wetter über den Atlantik gefahren worden war.

          Die Botschaft damals wie heute: Freiheit muss sich ihren Weg erkämpfen. Auf dem U-Bahngleis unter dem schwungvoll glitzernden Designerstück läuft ein barfüßiger Mann mit Basketball hin und her und droht den Wartenden, dass er die Polizei rufen werde, wenn sie ihm nicht endlich aus dem Kopf gingen. Die auf ihre Displays starrenden Menschen sind für ihn nur Wahnbilder einer falsch umgestellten Zeit, er will sie vertreiben wie böse Geister. Dann fährt der Zug ein und schluckt seine Wahngestalten.

          Ein anderer New Yorker sitzt zur selben Zeit in seinem Tower und schaut über die Stadt. „Der Präsident ist da“, sagt stolz ein schwarzer Polizist und erklärt damit die Absperrgitter an der Fifth Avenue vor dem Trump Tower. Vormittags hatte der oberste Feldherr des Landes eine Rede auf amerikanische Veteranen gehalten, jetzt schaut er dabei zu, wie im Fernsehen über seine Amtsenthebung gestritten wird. Das „Impeachment Battle“ wird auf allen Sendern geschlagen, bei Fox News stellt man Vermutungen über eine Bestechung des Whistleblowers an, auf MSNBC brüllt ein weißhaariger Moderator einem jungen Republikaner seine Verantwortung für das Verhalten zukünftiger Präsidenten ins Gedächtnis: „Wenn Sie ihn damit davonkommen lassen, werden sich andere das später immer zum Beispiel nehmen.“

          Am Abend dann eine A-Premiere auf dem Broadway. „Slava’s Snowshow“, eine hundertminütige Clowns-Performance, begeistert das Publikum. Eine Gruppe von grünen Clowns mit Schlapphüten trifft auf einen gelben Clown mit plüschigen Schuhen. Man ärgert, verwechselt und foppt sich. Ein Netz aus Viskosefasern wird über die Köpfe der Zuschauer gezogen, mit Wasser herumgespritzt und am Ende mit einer großen Schnipselkanone ein ungeheures Schneetreiben simuliert. Als dann noch riesige Luftballons in den Zuschauerraum geflogen kommen, johlt und jubelt das Publikum, als gäbe es kein Morgen. Als könnte nicht gleich ihr Präsident aus dem Amt getrieben werden. Oder wiedergewählt.

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