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Wahlprogramm der Grünen : Sie sprechen mit zwei Zungen

Goodie für die Gemütsgrünen: Quietscheentchen mit dem Logo und in der Farbe der Partei Bündnis 90/Die Grünen Bild: dpa

Marktgetrieben und systemdienlich: Die Grünen wollen Deutschland verändern. Hinter der Klimarettung zeichnet sich eine geistig-moralische Wende ab.

          11 Min.

          Das, was an den Grünen gerade so nervt, sind nicht ihre Bemühungen um den Klimaschutz. Nicht ihre Versuche, die Welt „sauberer und leiser“ zu machen. Nicht ihre hervorragende PR, die es versteht, einen beinharten Führungsstil im Parteiinneren nach außen als enthierarchisiertes Gemeinschaftsprojekt zu tarnen. Nein, was an den Grünen so nervt, ist, dass gerade alle für sie sind. Vom Bundesverfassungsgericht bis zum Yoga-Lehrer scheinen alle auf die grüne Seite gewechselt zu sein. Die Partei, die vor dreißig Jahren noch an der Fünf-Prozent-Hürde scheiterte, eilt jetzt von Sieg zu Sieg.

          Simon Strauß
          Redakteur im Feuilleton.

          Dass die Grünen in Sachsen-Anhalt gestern die zehn Prozent Hürde am Ende doch deutlich verfehlten, ändert nichts daran, dass die „Wessi-Partei“ selbst in Ostdeutschland, wo die Grünen aktuell in fünf von sechs Ländern mitregieren, inzwischen trotz aller Unkenrufe ganz gut angekommen ist. Kein Stammtisch-Tweet, kein Sonderzahlungs-Skandal, nicht einmal der Bruch mit dem heiligen Parteigebot des Pazifismus kann ihren Erfolg aufhalten. Deutschland will grün werden. Unbedingt. Im Grunde scheint es schon ausgemacht, dass die Grünen dieses Land von Herbst an regieren werden. Die einzige Frage ist nur, ob als stärkste oder zweitstärkste Kraft.

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