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Wahlen in Russland : Das Heer der Gleichgültigen

  • -Aktualisiert am

Aussichtslos: Während Mitglieder der kommunistischen Partei noch für ihren Kandidaten werben, scheint die russische Präsidentschaftswahl schon entschieden. Bild: dpa

Düstere Aussichten kurz vor der Präsidentenwahl: Eine Begegnung mit Lew Gudkow, dem bekanntesten und gefährdeten Meinungsforscher Russlands.

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          Seit kurzem sind Interviews für Lew Gudkow ein Drahtseilakt. Jedes falsche Wort kann fatale Folgen haben. Vor allem Zahlen, egal ob falsch oder nicht, sind gefährlich für ihn und seine rund sechzig Mitarbeiter. Der 71 Jahre alte Soziologe ist Russlands bekanntester Meinungsforscher. Als Direktor des „Lewada-Zentrums“ leitet er das letzte Institut im Land, das noch unabhängige Umfragen veröffentlicht. Genauer gesagt: veröffentlichte. Denn Gudkows Institut wurde zum „ausländischen Agenten“ erklärt. Ein Begriff aus der Stalin-Zeit, der unter Putin wieder eingeführt wurde. Der stigmatisiert, und der das Institut zum Schweigen bringen soll.

          „Haben Sie bitte Verständnis, wenn ich sehr vorsichtig sein muss mit meinen Antworten,“ sagt Gudkow mit ruhiger Stimme. „Ich darf als ,ausländischer Agent nur sehr begrenzt etwas sagen über die Stimmungen, ich darf die Umfragen, die wir weiterhin machen, nicht veröffentlichen und auch nicht kommentieren. Dabei wären sie sehr interessant, denn sie sind recht widersprüchlich.“ Es klingt wie eine Entschuldigung. Er wolle auch nicht über die Kampagne sprechen, die gegen das Institut geführt werde, die Vorwürfe, es arbeite für den CIA und das Pentagon, er und seine Mitarbeiter seien Spione, das wolle er alles ausklammern, fügt Gudkow hinzu und schluckt.

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