https://www.faz.net/-gqz-a4yti

Wähler von Donald Trump : Die übersehene Klientel

  • -Aktualisiert am

Weiß, arm, wenig Bildung – so wird der typische Trump-Wähler oft porträtiert. Aber stimmt das auch? Bild: AFP

Noch immer wird der typische Trump-Wähler als verarmt und ungebildet beschrieben. Dabei verraten die Zahlen etwas anderes.

          3 Min.

          Wahlkampfvideos, Reportagen, Trump-Jubelfeste: Egal, wo man dieser Tage hinschaut, der „typische Trump-Wähler“ ist überall. Demokraten und Journalisten fragen sich, ob dessen Enthusiasmus Joe Biden noch gefährlich werden kann. Und ein wenig ist es wie in den Monaten nach dem unerwarteten Trump-Sieg 2016: Amerikanische Medien suchen den vermeintlich typischen Trump-Wähler vor allem am Rande der Präsidenten-Huldigungs-Parties, oder sie filmen ihn in den zerfallenden kleinen Industriestädten und auf den Farmen des „Heartland“. Keiner will diesmal den Fehler machen, den weißen Mann mit dem unterdurchschnittlichen Einkommen, der vermeintlich unterdurchschnittlichen Bildung und den überdurchschnittlich lauten Sorgen zu übersehen. Und Trump selbst tut sein Möglichstes, um sich als Vertreter der Arbeiter und Angestellten, der Arbeitslosen und der, wie er sie nennt, „Vergessenen“ zu inszenieren. „Ich liebe die einfachen Leute“, sagte er kürzlich.

          Doch die Verteilung der Aufmerksamkeit ist von den Zahlen nicht gedeckt – und die Interessen der begüterten Trump-Wähler entkommen so oft einer genaueren Befragung. Dass es vor allem der entlassene Industriearbeiter oder die verschuldete Kellnerin sei, die sich aus Protest für Trump entschieden, war 2016 nur ein Teil der Wahrheit. Das durchschnittliche Einkommensniveau seiner Wähler deutete darauf hin, dass Mittelklasse und Besserverdienende den Republikanern treu blieben. Eine Studie der Northwestern und der Boston University zeigte: Die meisten Trump-Wähler verdienten 2016 mehr als das damalige durchschnittliche Haushaltseinkommen von 57.617 Dollar im Jahr. Bei den Vorwahlen lag das Haushaltseinkommen seiner Fans im Mittel sogar bei 72.000 Dollar. Bei der Präsidentschaftswahl hatten dann 63 Prozent der Trump-Wähler ein Haushaltseinkommen über 50.000 Dollar. Ein genauerer Blick auf die Daten zeigt auch, dass die Kreise, in denen Trump sich durchsetzen konnte, zwar ärmer waren, seine Wähler dort gemessen am lokalen Einkommensniveau aber zu den Reicheren gehörten.

          Testen Sie unsere Angebote.
          Jetzt weiterlesen

          Testen Sie unsere Angebote.
          F.A.Z. PLUS:

            FAZ.NET komplett

          Diese und viele weitere Artikel lesen Sie mit F+

          Macbook Air, Macbook Pro und Mac Mini

          Macbook mit M1-Chip im Test : Potzblitz

          Die neuen M1-Rechner von Apple laufen nicht nur besser als gedacht, sondern sind Tempomaschinen. Geht es um die Software-Kompatibilität, gibt es eine große Überraschung.

          Rettung bei Vendée Globe : „Ich sinke. Das ist kein Witz“

          Bei der Vendée Globe sind die Seglerinnen und Segler wochenlang auf sich allein gestellt – und im Notfall doch füreinander da. Dem Franzosen Kevin Escoffier hat diese Kameradschaft nun das Leben gerettet.
          Demonstration gegen die Corona-Maßnahmen in Düsseldorf (September 2020)

          Sucharit Bhakdi : Der bittere Mediziner

          Sucharit Bhakdi war einmal ein angesehener Professor. Heute befeuert er die Querdenker und behauptet, dass die Deutschen in einer Diktatur lebten. Ein Besuch in Kiel.