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Wahl in Rumänien : Er lügt nicht, er stiehlt nicht, er ist seriös!

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Alles auf Sieg? Der deutschstämmige Präsident der Christlich-Liberalen Allianz, Klaus Johannis, muss sich ranhalten. Bild: dpa

Rumänien besinnt sich vor der Wahl auf einen deutschstämmigen Monarchen. Tugenden wie Bescheidenheit, Sparsamkeit und Pünktlichkeit stehen hoch im Kurs. Das politische Personal ist gewarnt.

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          Gott, recht unvoreingenommen, verteilt seine Gaben über die Länder dieser Erde. Rumänien überreicht er strahlende Gebirge, dunkle Wälder und die sattesten Wiesen. Petrus zupft am Gottesmantel und raunt: „genug, genug“. Doch die Gaben senken sich weiter auf Rumänien, die reinsten Flüsse, goldene Felder und ein ganzes Donau-Delta. Petrus mahnt aufs Neue, doch Gott schüttet in seiner Geberlaune noch die herrlichsten Früchte, Blumen und die schönsten Tiere auf das Land. Jetzt protestiert Petrus: „Was zu viel ist, ist zu viel!“ Gott verspricht, seine Maßlosigkeit Rumänien gegenüber zu zügeln: „Ich werde mich dann wohl bei den Menschen etwas zurückhalten.“

          Diesen Witz erzählt ein rumänischer Spitzenpolitiker und Präsidentschaftskandidat im Fernsehen zur besten Stunde: es ist sein Beitrag zu einer Diskussionsrunde, in der mehr Anekdoten als Fakten, mehr schmutzige Westen als Verbesserungsvorschläge ausgebreitet werden. Am kommenden Sonntag ist in Rumänien Präsidentenwahl. Die am runden Tisch in ihre Anzüge gequetschten Männer kommen ins Schwitzen angesichts der Lasten, die sie dem jeweiligen Kontrahenten vor die Füße werfen: Ferraris, Villen, Wälder, schwere Yachten mit leichten Frauen - alles dem Vaterland gestohlen, nicht versteuert, nicht einmal vor dem Nachbarn versteckt.

          So funkeln und sprühen drei Begriffe in dieser Bukarester Politikerrunde, nicht etwa so Gehaltvolles wie „Haushalt“, „Mindestlohn“ oder „Bildungsnotstand“, sondern die allgemein verständlichen, ja, vertrauten: „stehlen“, „lügen“, „Dieberei“ (fura, minte, hotzie). Da entfährt es auch dem Moderator: Natürlich müsse das Land von einem starken Mann, einem mare hotz („großen Räuber“),, regiert werden; aber der solle doch um Gottes willen auch dem Volk einen Teil übrig lassen. Schon wieder muss der liebe Gott herhalten, der ja bekanntlich gibt, aber in den Sack möge es schon jeder selbst tun. Dem Volk, da sind sich alle einig, soll die gebührende Liebe, Verehrung und Hochachtung dargebracht werden, am besten in Worten, die im kalten Herbstwind auf Wahlplakaten splitternackt daherkommen: „Sei stolz darauf, ein Rumäne zu sein.“

          Regierungskrisen bis zur Besinnungslosigkeit

          In diesem Sinne wirbt der gegenwärtige Ministerpräsident Victor Ponta, dem man als kleinste hotzie (als kleinsten Diebstahl) seinen Doktortitel nachgewiesen hat, um den Präsidentenpalast Cotroceni in Rumäniens Hauptstadt. Alle nur denkbaren Winkelzüge im Machtgeschacher hat dieser politische Wirbelwind schon durchstöbert. Er legte sich mit dem gegenwärtigen Präsidenten Băsescu an, den er in einem gehässigen Amtsenthebungsverfahren wegräumen wollte, was ihm trotz Beschneidung der Kompetenzen des Verfassungsgerichts sowie willkürlicher Änderung des Referendumgesetzes dann doch nicht gelang.

          Pontas selbstherrlicher Regierungsstil wischt Proteste aus dem In- und Ausland locker beiseite, und als er endlich einmal nachgeben musste, um seinen inkompetenten Parteisprecher und Transportminister Dan Şova schließlich auszutauschen, weil dieser in aller Öffentlichkeit die Ermordung von 8000 Juden 1941 im Pogrom von Jassy leugnete, entschädigte er ihn umgehend mit dem Führungsposten des Wahlkampfteams für seine Präsidentschaftskandidatur. Auf jemanden, der in Rumäniens politischer Landschaft wenig bewandert ist, wirkt die Vielzahl von Parteienkürzeln verwirrend. Will man sich an sie wie an einen Wegweiser halten, dann verirrt man sich garantiert, so oft ist „links“ plötzlich „rechts“, „zurück“ präsentiert sich als „vorwärts“, ein Schild liegt im Graben.

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