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Wahl in Italien : Giorgia Meloni will kein „Monster“ sein

Meisterin der Selbstinszenierung und Zweideutigkeit: Giorgia Meloni bei ihrem Auftritt in Mailand Bild: Imago

Giorgia Meloni wird voraussichtlich die Wahl in Italien gewinnen. Bei ihrer postfaschistischen Partei ist Zweideutigkeit Programm. Die Chefin hat das zu einer Kunst verfeinert.

          7 Min.

          Kurz vor Wahlkampfende hat Giorgia Meloni ein Video auf Facebook gepostet, das sie beim Herstellen von Tortellini zeigt. Sie steht in Bologna in einem Laden für frische Pasta und führt vor, was Patrizia, die Chefin, ihr soeben beigebracht hat: „Man schließt den Teig, man drückt ein bisschen, man legt die Teigtasche um den Zeigefinger, streift sie ab – basta!“ Breites Lächeln und Daumen hoch in die Kamera, rot lackierte Nägel, rot geschminkter Mund, schwarze Sonnenbrille in den Haaren – Willkommen in der Welt von Giorgia Meloni.

          Karen Krüger
          Redakteurin im Feuilleton.

          Knapp 24 Stunden später steht die Frau, die wahrscheinlich am Sonntag zur ersten Ministerpräsidentin des Landes gewählt wird, in einem cremefarbenen Hosenanzug auf einer Bühne auf der Piazza del popolo in Rom, es ist ihre triumphale Abschlusskundgebung. Rot-weiß-grüne Luftballons, wandernde Lichtkegel im Abendhimmel, im Hintergrund der angestrahlte Obelisk. Meloni läuft wie ein Popstar über die gesamte Längsseite der Bühne, filmt dabei sich selbst und ihre Fahnen schwenkenden Anhänger: „Italien zuerst!“, ruft sie und: „Wir sind bereit, die Freiheit und den Stolz Italiens wiederherzustellen!“, und hat damit die Aufmerksamkeit schon auf den ersten Kernpunkt ihres Programms von „Vaterland, Gott, Familie“ gelenkt. Die anderen beiden werden – wie immer – folgen.

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