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Die Niederlande wählen : Auf der Suche nach dem Bürgermeister für die Nation

Holländische Diversität: Klimaschützerinnen in Amsterdams Westerpark im März 2021 Bild: Imago

Vor der Wahl ringen die Niederlande mit ihrem Selbstbild und entdecken ihre Liebe zu Angela Merkel: Ein Rundgang durch holländische Befindlichkeiten.

          7 Min.

          Wenn bei unseren niederländischen Nachbarn am Mittwochabend die Wahllokale schließen, werden die Menschen drei Tage Zeit gehabt haben, sich in Bewegung zu setzen und ihre Stimme abzugeben. Jede Beschäftigung damit, an wen diese Voten gehen, brockt Ausländern eine Buchstabensuppe ein, in der man zu ertrinken droht. Nicht nur gibt es in Holland ungewöhnlich viele Parteien, weil die Gruppierungen nach dem Vereinsrecht organisiert sind und keine Sperrklausel für den Einzug ins Parlament existiert; schon rund siebzigtausend Stimmen genügen für einen Sitz in Hollands Zweiter Kammer, in der 150 Abgeordnete Platz finden. Die letzten zwanzig Jahre haben außerdem zahlreiche Verschiebungen und das Auftauchen personalisierter Wahlvereine mit sich gebracht. Die traditionelle Sozialdemokratie etwa, verkörpert in der Arbeiterpartei (PvdA), ist praktisch zerfallen. Nur wenig besser ist es den Christdemokraten der rechten Mitte (CDA) ergangen, die mit anderen C-Parteien konkurrieren. Insgesamt sind rund hundert Parteien in der niederländischen Nachkriegsgeschichte wieder verschwunden, darunter auch Exoten wie eine marxistisch-leninistische Fake-Partei, die der holländische Geheimdienst gegründet haben soll. Dagegen erfreuen sich die Tierschutzpartei (PvdD) und die Seniorenpartei (50+) robuster Gesundheit.

          Paul Ingendaay
          Europa-Korrespondent des Feuilletons in Berlin.

          In diesem Licht ist ein Ministerpräsident wie der Rechtsliberale Mark Rutte, der mit seiner Volkspartei für Freiheit und Demokratie (VVP) seit zehn Jahren Koalitionsregierungen anführt, ein Phänomen undefinierter Stabilität und programmatischer Visionslosigkeit. Sein Corona-Management lässt seine Aussichten gut erscheinen, obwohl sein Image durch den Skandal um fälschlich erhobene Kindergeldzuschläge gelitten hat und die Regierung deshalb vor zwei Monaten zurücktrat. Die Randale aufgrund von Corona-Beschränkungen Ende Januar beantwortete er mit Law-and-Order-Parolen.

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