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Keine Visa mehr für Russen? : Großattacke der kleinen Rache

  • -Aktualisiert am

Ihre Zahl soll auf ein Minimum gesenkt werden: Russische Touristen beim Grenzübergang nach Finnland. Bild: AFP

Viele Länder Europas folgen dem Appell des ukrainischen Präsidenten Selenskyj, Russen keine Visa mehr auszustellen. Dabei finanzieren sie weiter Putins Krieg. Für den Kremlherrscher ist das ein Geschenk. Ein Gastbeitrag.

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          In Europa erklingen die Aufrufe, russischen Staatsbürgern keine Schengenvisa mehr auszustellen, immer lauter. Zehn Mitgliedstaaten der EU tun das faktisch schon nicht mehr. Sich bei der Konsularabteilung der spanischen Botschaft in Moskau anzumelden ist unmöglich, die Italiener vergeben Termine erst für den November. Die vom ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj vorgebrachte Initiative wurde sogleich von den Premierministern Estlands und Polens aufgegriffen, Letzterer hatte schon im Frühjahr vorgeschlagen, keine Schengenvisa mehr an Russen auszugeben. In Lettland will man die Aufenthaltstitel von Russen, die dort leben, nur in Ausnahmefällen verlängern.

          Selenskyj ist der Auffassung, dass, wenn die Russen nicht durch Europa reisen können, sie daheim verzweifelt das Regime Putins bekämpfen werden. Ihm sekundiert der Außenminister Litauens Gabrielius Landsbergis, der gesagt hat, ein solches Verbot könne die Opposition im Landesinnern halten: „Wenn wir davon ausgehen, dass in Russland fünf bis zehn Prozent gegen den Konflikt sind, so sprechen wir von Millionen“, stellte er fest und schloss eine rhetorische Frage an: „Würden Sie wollen, dass diese Millionen in Russland wären oder außerhalb seiner Grenzen?“

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