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Virtuelle Ehepartner : Das Hologramm hat Ja gesagt

Die Frau fürs Leben, nur eben nicht zum Anfassen: Akihido Kondo mit einer Stoffpuppe des singenden Avatars Hatsune Miku, den er Anfang November geheiratet hat. Bild: AFP

In Japan werden virtuelle Gestalten zu Stars und Ehepartnern. Auch im Westen sind die Avatare auf dem Vormarsch: als unsterbliche Unterhalter.

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          In Japan hat ein Mann namens Akihiko Kondo ein singendes Hologramm geheiratet. Das Hologramm heißt Hatsune Miku - „der erste Klang aus der Zukunft“ -, ist eine Sie und seit ihrer Entwicklung im Jahr 2007 ewige „sechzehn Jahre“ alt. Miku ist die marketingstrategische Personifizierung einer Synthesizer-Software namens „Vocaloid“. Mit ihrer Hilfe lässt sich durch die Eingabe von Text und Notenwerten künstlicher Gesang erzeugen, der recht nah an den Klang einer menschlichen Stimme kommt. Gestaltet hat den Vocaloid-Avatar der Manga-Zeichner Kei. Miku trägt Overknee-Stiefel und überdimensionierte Zöpfe aus türkisfarbenem Haar, einen knappen Rock, Kragen und Krawatte als Rudimente der Schulmädchenuniform, dazu futuristische Kopfhörer und die Seriennummer „01“ als Zeichen ihrer Künstlichkeit auf den rechten Oberarm geprägt.

          Axel Weidemann

          Redakteur im Feuilleton.

          Entwickelt wurde Miku für Crypton Future Media K.K., ein Unternehmen aus Sapporo, das die Vocaloid-Software vertreibt. Mikus Ruhm gründet sich auf Musik-Videos, in denen Fans mit eigenen Gesangspuren den anfangs noch recht einfachen virtuellen Körper animierten und auf der Plattform „Nico Nico Douga“ hochluden. Crypton Future Media erkannte das Maskottchen-Potential und stellte die rechtlich geschützte Figur unter einer Creative-Commons-Lizenz zur freien Verfügung: Pop-Kultur als Selbstbausatz. Mittlerweile ist Hatsune Miku eine anerkannte Pop-Ikone, tourte 2014 mit Lady Gaga, hat ein Repertoire von mehr als hunderttausend Liedern sowie 170.000 Musikvideos und wirbt für Toyota und Google.

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