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Überfall auf die UdSSR : Ich lebe im Schatten dieses Krieges

  • -Aktualisiert am

80 Jahre später immer noch nicht verheilt. Die deutsch-russischen Wunden sind tief. Bild: F1online

Vor achtzig Jahren fiel die deutsche Wehrmacht in die Sowjetunion ein. Seitdem wird in meinem Land um die Deutung dieses Kampfs gerungen. Nur eines ist klar: Es war ein nie endender Sieg. Ein Gastbeitrag.

          7 Min.

          Ich bin selbst ein Nachklang jenes schrecklichen Krieges. Ich bin 1947 geboren, und meine Eltern gaben mir zu Ehren des Sieges der Sowjetunion über Nazideutschland den Namen Viktor. Wir wohnten in der Gorki-Straße mitten im Zentrum von Moskau, und meine Freunde und ich spielten unsere ganze Kindheit lang draußen im Hof Krieg. Wir spielten Krieg gegen die Deutschen, aber keiner der Jungs wollte auf der Seite der Deutschen spielen, denn die Deutschen waren für uns ja Faschisten, und Faschisten durften nicht gewinnen. Von Nazis wussten wir damals überhaupt nichts, diesen Begriff gab es in unserer Sprache nicht. Natürlich nicht, denn er bezog sich auf den Nationalsozialismus, und Sozialismus – das waren wir und niemand sonst. Faschist war das schlimmste Schimpfwort meiner Kindheit.

          Schließlich kam der Moment, als auch ich Faschist genannt wurde – das war in meiner Schule am Puschkin-Platz. Als Oberstufenschüler verkündete ich bei einer Schulversammlung meine Begeisterung für den damals verbotenen Rock’n’ Roll, woraufhin mich die Rektorin meines Gymnasiums Nr. 122 als Faschist bezeichnete. Das werde ich niemals vergessen. Und dann... Mein Vater war sowjetischer Diplomat, und Diplomaten trugen seinerzeit militärähnliche Uniformen in Mausgrau, und ich konnte es auf den Tod nicht ausstehen, wenn die Jungs meinen Papa frotzelnd einen „Deutschen“ nannten. Ein Deutscher konnte in unserer Vorstellung kein Mensch sein.

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