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Nachwirkung des Vietnamkriegs : Die Folgen von Agent Orange

  • -Aktualisiert am

Einsatz von Entlaubungsmitteln: Während des Vietnamkriegs ließen Flugzeuge des amerikanischen Militärs Gift vom Himmel regnen. Bild: AP

Vierzig Jahre nach dem Ende des Vietnamkriegs warten die meisten Opfer des amerikanischen Einsatzes von Entlaubungsmitteln noch immer auf Entschädigung. Haben sie Aussichten auf Erfolg?

          8 Min.

          Am 30.April 1975 endete der Vietnam-Krieg. Ausgebrochen war er in den frühen sechziger Jahren, als die kommunistischen Vietcong aus Nordvietnam gewaltsam versuchten, die diktatorische Herrschaft Ngo Dinh Diems im Süden zu brechen und das seit dem Unabhängigkeitskrieg gegen Frankreich geteilte Land wieder zu vereinigen. Von 1965 an entsandten die Vereinigten Staaten immer größere Truppenkontingente zur Unterstützung des antikommunistischen Südvietnams, worauf Russen und Chinesen dem Norden halfen.

          Während das amerikanische militärische Engagement allgemein bekannt ist – zeitweise waren dort gleichzeitig 543.000 Soldaten stationiert –, blieb die ebenfalls nicht unerhebliche Beteiligung eines anderen Landes bislang eher verborgen. Insgesamt kämpften von 1965 bis 1972 im Vietnam-Krieg auch mehr als 300.000 südkoreanische Soldaten, davon bis zu 50.000 zur selben Zeit. Selbst in Südkorea wird das bis heute weitgehend ausgeblendet.

          Sicherheitsgarantien mit Bedingungen

          Südkorea war Anfang der sechziger Jahre ein armes Land, und die Regierung ließ sich den Einsatz ihrer Landsleute von den Amerikanern fürstlich bezahlen. Ein weiterer Grund lag in der politischen Parallele: Wie in Vietnam sah sich in Korea der Süden einer kommunistischen Bedrohung aus dem Norden ausgesetzt. Sicherheitsgarantien der Vereinigten Staaten für Südkorea wurden an ein Engagement seines Militärs in Vietnam gekoppelt.

          Im Laufe des Kriegs wurden etliche südkoreanische Soldaten Opfer von Agent Orange. Es handelt sich dabei um ein von der amerikanischen Armee eigens zu militärischen Zwecken entwickeltes chemisches Entlaubungsmittel, das binnen kurzer Zeit Wachstumsstörungen bei Pflanzen hervorruft und schließlich zum Verlust ihrer Blätter führt. Agent Orange wurde im Regierungsauftrag von amerikanischen Herstellern produziert, darunter Monsanto und Dow Chemical, das sich bereits bei der Herstellung von Napalm hervorgetan hatte. Die Bezeichnung „Agent Orange“ geht auf die jeweilige farbliche Kennzeichnung der für verschiedene Kampfstoffe verwendeten Fässer zurück.

          40 Jahre danach : Vietnamesen gedenken Ende des Krieges

          Gesundheitsschäden durch „friendly fire“

          Die amerikanischen Truppen begannen Anfang 1962 mit der „Operation Ranch Hand“ und versprühten immer größere Mengen des Entlaubungsmittels über dem südvietnamesischen Dschungel. Dadurch sollten Straßen, Strom- und Telefonleitungen sowie vermutete Feindstellungen freigelegt, die Sicht der eigenen Truppen verbessert und die Gefahr von Hinterhalten verringert werden. Außerdem wurden mit der Zeit immer mehr Felder besprüht, um die Nahrungsmittelversorgung der Vietcong zu unterbrechen. Bis zum Ende seines Einsatzes 1970 wurden annähernd 76 Millionen Liter Agent Orange und verwandte Pflanzengifte versprüht, wobei dies nicht immer dosiert geschah – manchmal wurden in der Hitze des Gefechts ganze Ladungen auf einmal abgeworfen.

          Die bleibenden Nachwirkungen von Agent Orange auf lebende Menschen sowie Flora und Fauna sind nicht bezifferbar. Das in dem Entlaubungsmittel enthaltene hochgiftige Dioxin belastet noch immer ganze Landstriche, und in unzähligen hot spots mit besonders hoher Konzentration bestehen weiterhin erhebliche Gesundheitsgefahren. Dass die erschreckend hohe Zahl von Geburtsschäden in der nachfolgenden Generation durch Agent Orange ausgelöst wurde, wird nicht angezweifelt, der Nachweis tatsächlich kausaler Schädigung ist im Einzelfall aber nur schwer zu führen. Juristisch ist der Einsatz von Agent Orange im Vietnam-Krieg deshalb immer noch nicht abgeschlossen.

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