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Video-Chats in Corona-Zeiten : Jetzt ist jeder das Zentrum der Welt

„NDR Talk Show“ am 25. März mit Barbara Schöneberger, Hubertus Meyer-Burckhardt, Tim Mälzer, Theresa Brückner und Jenny Jürgens (v.l.n.r.) Bild: Screenshot F.A.S.

Für die Zeit des Kontaktverbots begegnen die Menschen einander im Video-Chat. Ist das Zeitalter der Zentralperspektive am Ende? Und was bleibt vom Unterschied zwischen privatem und öffentlichem Raum?

          7 Min.

          Erinnert sich noch jemand daran, wie der Rapper Thomas D und die Deutsche Telekom vor zehn Jahren den „größten Online-Chor aller Zeiten“ einberiefen? 13500 Deutsche stellten sich damals vor Regalen und Jugendzimmerpostern auf, schalteten ihre Webcams ein und sangen eine Umdichtung des Weltmusik-Hits „7 Seconds“ von Youssou N’Dour. Dass wildfremde Menschen von verschiedenen Orten aus in derselben Fläche erscheinen und damit Fernseh- und Kinowerbung füllen, das war damals, fünf Jahre nach der Gründung von Youtube, ein ganz neues Bild: von Gesellschaft als Collage schlecht ausgeleuchteter Privaträume.

          Kolja Reichert

          Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Jetzt, da es dank des allgemeinen Zuhausebleibenmüssens fast nur noch Privaträume gibt und die Welt auf Armlänge zusammengeschrumpft ist, auf die Distanz zwischen Gesicht und Bildschirm, jetzt leben wir in dieser Gesellschaft. All die Räume und Plätze, in und auf denen der Begriff von Öffentlichkeit entstand, sind geschlossen. Es gibt kein Publikum mehr, keine Bühne, keine gemeinsame Blickrichtung, und damit verschwimmt jeder Horizont, vor dem irgendjemand sich gegen jemand anderen abheben könnte. Das gesellschaftliche Leben hat sich aus der Tiefe in die Fläche ergossen.

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