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Open Data : Bitte ein Byte

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Wer Rohdaten sucht, ist vom Sachbearbeiter abhängig

Die Idee für diese Karte kommt eigentlich aus Karlsruhe. Preuß entwickelte das erste Programm jedoch so weiter, dass es auch andere Ortschaften nutzen können. Die Mühe, die entsprechenden Daten bei der Stadt zu erfragen, nahmen allerdings die wenigsten Nachfolger auf sich. Wer sich in Deutschland auf die Suche nach Rohdaten machte und nicht in Portalen wie GovData fündig wird, ist heute noch von der Gunst, aber auch vom Wissensstand und der Skepsis des jeweiligen Sachbearbeiters abhängig – oder, wie Preuß sagt, „von Individualentscheidungen“.

Schon 2013 trat das E-Government-Gesetz des Bundes in Kraft. Dessen Kernpunkt ist, dass Behörden der Öffentlichkeit maschinenlesbare Datensätze bereitstellen. Ende letzten Jahres trat die Bundesregierung der Initiative Open Government Partnership bei, auf dem Berliner Open Data Day (BODDy) Anfang Oktober lobte Staatssekretär Christian Rickerts die auch sonst „gewachsenen Strukturen des Austauschs“. Im Hundert-Tage-Programm des Berliner Senats sei Open Data nicht nur verankert, es stünden mittlerweile die Eckpunkte, die festlegen, wie die Daten ihren Weg zu den Bürgern finden sollen. So weit der Plan.

Tobias Preuß
Tobias Preuß : Bild: Code for Germany

Die Umsetzung verläuft schleppend, weil Open Data nicht weniger als einen verwaltungsinternen Kulturwandel erfordert. Das bestätigt auch eine laufende Studie der Technologiestiftung Berlin. Deren vorläufige Ergebnisse zeigen: Es fehlt nicht nur ein Überblick über die Daten, die den Behörden vorliegen. Auch sind die Zuständigkeiten für Open-Data-Angelegenheiten weitgehend ungeklärt. Tabellen und Listen sortieren Daten nach Individualpräferenz, woraus sich fragmentierte Datensätze mit teils widersprüchlichem Inhalt ergeben. Es überrascht kaum, dass den meisten Beamten unklar ist, was überhaupt bereitgestellt werden soll.

Bisher scheint es an flächendeckenden Investitionen in Schulungen und effizienterem Datenmanagement zu mangeln – und nicht zuletzt an politischem Willen. Tobias Preuß aus dem OK Lab meint: „Vieles, was von öffentlicher Stelle zu dem Thema gesagt wird, ist eher Schönmalerei. Wer ganz konkret nach Daten fragt, merkt, wie schwierig das noch ist.“ Seine Kollegen aus dem Lab können das nur bestätigen. In den Vereinigten Staaten sei das Thema offene Daten nur deshalb präsenter, weil Präsident Barack Obama sich stets dafür eingesetzt habe. „Hierzulande herrscht eher eine Kann-Stimmung“, findet Preuß. Bei Code for Germany freute man sich schon, als Angela Merkel mit Blick auf Daten generell vom „Rohstoff des 21. Jahrhunderts“ sprach. Auf dem Global Open Data Index der OKF rangiert Deutschland auf Platz 24, die Liste führen Taiwan, Australien und Großbritannien an.

Damit mehr Bewegung in die Angelegenheit kommt, müssen die letzten Bedenken ausgeräumt werden. Julia Kloiber, Mitgründerin von „Code for Germany“, plädiert deshalb für mehr Forschung: „um die Schnittstellen von Privacy, Datenschutz und offenen Daten zu untersuchen“. Für sie ist Deutschland, mit dem historisch gewachsenen Bewusstsein für Privatsphäre, dafür geradezu prädestiniert. Denn auch wenn es bei Open Data nicht um personenbezogene Daten geht: Transparenz gleich Gerechtigkeit? „Das“, sagt Kloiber, „ist ein viel zu einfacher Schluss.“

Solange das noch nicht der Fall ist, weiß man sich im OK Lab Berlin anders zu helfen. Wer nicht auf den Deal „Daten gegen Geld“ eingehen will, dem rät Tobias Preuß: „Man kann dreißig Freunde bitten, genau die gleiche Anfrage zu stellen.“ Dann merke die Verwaltung, dass Interesse bestehe. „Entweder versenden sie dann dreißig Mal das Angebot mit den 125 Euro. Oder sie geben die Daten heraus, weil der Bearbeitungsaufwand zu groß ist.“ Warum Preuß und seine Gleichgesinnten den Aufwand nicht scheuen? „Das ist ein bisschen die Revolutionsidee“, sagt er. „Wenn keiner das macht, bleiben die Daten hinter verschlossenen Türen. Natürlich wäre es andersherum schöner.“

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