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Verschwörungstheorien zur Vogelgrippe : Der Fluch der Ente

  • -Aktualisiert am

Spuren führen nicht auf die Insel Riems - aber wirre Vermutungen Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Wie ist das H5N1-Virus in die Ostsee geraten? Während die Forscher zeitaufwendig nach einer Erklärung suchen, haben die Verschwörungstheoretiker das Wort. Und vermuten zum Beispiel ein Leck im Friedrich-Loeffler-Institut.

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          Noch immer ist auch Wissenschaftlern unklar, wie das Vogelgrippevirus H5N1 aus Asien an die deutsche Ostseeküste und an andere Orte in Westeuropa gelangen konnte. Bislang hatten Vogelkundler und Virologen vermutet, infizierte Vögel könnten keine weiten Strecken mehr zurücklegen, eine Ausbreitung des Virus über Zugvögel sei also unmöglich. Wie aber dann?

          Thomas Mettenleiter, Präsident des Bundesforschungsinstituts für Tiergesundheit und derzeit der wohl gefragteste Virologe in Deutschland, wird laufend mit Gerüchten und Spekulationen von Hobbyforschern konfrontiert, die einen Blick auf die Landkarte werfen und sich fragen, ob nicht vielleicht die obersten Tierseuchenhüter der Nation das H5N1-Virus selbst freigesetzt haben könnten.

          Friedrich Loeffler hatte ein Problem

          Die Insel Riems, auf der das nach dem Virologen Friedrich Loeffler benannte Institut seinen Hauptsitz hat, befindet sich tatsächlich nur wenige Kilometer entfernt von jener Wittower Fähre auf Rügen, an der am 8.Februar zum ersten Mal tote Schwäne gefunden wurden, die sich als Träger des Vogelgrippevirus entpuppten. Da liegt es nahe, einmal bei den Forschern im Staatsdienst nachzufragen. In diversen Internetforen wird diskutiert, ob es auf Riems bei Versuchen mit H5N1 vielleicht einen Unfall gegeben habe und entweder das Virus oder ein infizierter Vogel in die freie Natur gelangt sei. Mettenleiter reagiert gelassen: „Mit Verdächtigungen dieser Art muß unser Institut seit seiner Gründung leben.“

          Und das nicht ohne Grund. Der Namengeber Friedrich Loeffler entdeckte und beschrieb 1898 an seinem Arbeitsplatz an der Universität Greifswald als erster den Erreger der gefährlichen Maul- und Klauenseuche. Sein wissenschaftliches Verdienst wurde aber dadurch getrübt, daß das Virus aus seinem Labor mehrfach auf Bauernhöfe in der Umgebung gelangte und die Tierbestände dezimierte. Loeffler wurde aufgefordert, sich einen neuen, sichereren Standort zu suchen. Mit Hilfe der preußischen Regierung kam es 1910 zur Gründung des ersten hochspezialisierten Instituts für Tierviren auf der Insel Riems.

          Überhitzung und Unterdruck

          Knapp hundert Jahre später befindet sich auf der Insel eines der modernsten Virenlaboratorien Europas. Seit seiner Neugründung 1992 wurde das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) kontinuierlich ausgebaut und gilt nun als kompetenteste Forschungseinrichtung in Sachen Vogelgrippe. Mettenleiter weist darauf hin, daß vor allem an Investitionen in die Sicherheit der Labors und Ställe nicht gespart wurde. Arbeiten mit hochpathogenen Viren wie H5N1 und dem Erreger der Maul- und Klauenseuche würden unter den Bedingungen der extrem strengen Sicherheitsstufe 4 durchgeführt. Zu der gehört, daß alle Abwässer so stark erhitzt werden, daß Viren zerfallen, und die Abluft vor dem Entlassen in die Umwelt zweimal durch Hochleistungs-Schwebstoffilter gepreßt wird.

          Das Gebäude steht außerdem unter ständigem kontrolliertem Unterdruck, der das Entweichen von Viren verhindern soll. Alle Mitarbeiter müssen sich vor dem Verlassen des Hochsicherheitsbereichs einer Zwangsdusche sowie einer siebentägigen Quarantäne unterziehen, während deren sie keinen Kontakt zu Zoo- und Nutztieren haben dürfen. Obwohl der Erreger der Maul- und Klauenseuche im Vergleich zu H5N1 deutlich stabiler und sogar noch infektiöser sei, habe es dank dieser Maßnahmen keine versehentliche Verbreitung mehr gegeben, wie sie noch dem Gründer und Namengeber unterlaufen ist.

          Der Quinghai-Subtyp kam von außen

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