https://www.faz.net/-gqz-8a397

Erich-Maria-Remarque-Preis : Bekommt Adonis doch keinen Preis?

  • Aktualisiert am

Umstrittener Preisträger: der syrische Essayist Ali Ahmad Said, genannt Adonis. Bild: dpa

Die Verleihung des Erich-Maria-Remarque-Friedenspreises an den syrischen Dichter Adonis ist hoch umstritten. Viele Kritiker werfen ihm vor, er unterstütze den Machthaber Baschar al Assad. Jetzt wird der Preis erst einmal verschoben.

          2 Min.

          Die Stadt Osnabrück hat die umstrittene Verleihung des Erich-Maria-Remarque-Friedenspreises an den syrischen Dichter Adonis „aus organisatorischen Gründen“ auf das Frühjahr verschoben. „Wir haben die Verleihung trotz intensiver Bemühungen nicht so vorbereiten können, wie es dem Preis und den Preisträgern angemessen ist“, heißt es in einer Erklärung.

          Ali Ahmad Said alias Adonis sollte die mit 25.000 Euro dotierte Auszeichnung eigentlich am 20. November entgegennehmen. Nachdem die Stadt den Preisträger im Sommer verkündet hatte, war Kritik laut geworden. Navid Kermani, der diesjährige Träger des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels, hatte es abgelehnt, die Laudatio für Adonis bei der Preisverleihung zu halten. Selbst der Übersetzer von Adonis, Stefan Weidner, hatte sich ablehnend geäußert: „Für einen Literaturpreis taugt Adonis immer, für einen Friedenspreis scheint mir seine Haltung zu konfrontativ und zu einseitig."

          In der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ hatte der syrische Philosoph Sadik al Azm, einer der wichtigsten säkularen arabischen Intellektuellen, sich kritisch geäußert. Die Verleihung des Preises an Adonis erscheine ihm „ausgerechnet in dieser Zeit als ein Affront gegenüber Syrien und dem Besten, was seine Kultur hervorgebracht hat, gegenüber der Aufstandsbewegung, der Tapferkeit und den Opfern der friedlichen Aktivisten, gegenüber den Massen von leidgeprüften Vertriebenen und Flüchtlingen“, schrieb Sadik al Azm. Syrische Oppositionelle, Menschenrechtler und der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, warfen dem Dichter eine undistanzierte Haltung zum Regime des Machthabers Baschar al Assad vor. Die Jury hatte betont, sie wolle mit dem Preis Adonis' Eintreten für eine Trennung von Religion und Staat sowie die Gleichberechtigung der Frauen in der arabischen Welt würdigen.

          Keine Gesprächspartner zu finden

          Der Leiter des Erich-Maria-Remarque-Friedenszentrums, Thomas Schneider, sagte, es sei bislang nicht gelungen, Gesprächspartner zu finden, die sich im Rahmenprogramm der Verleihung mit dem Werk und der Person des Autors auseinandersetzen wollen: „Das hat sicher auch mit der öffentlich geäußerten Kritik zu tun“, sagte Schneider. Eine „abgespeckte Version“ der Preisverleihung habe die Stadt aber nicht präsentieren wollen und auch nicht als angemessen empfunden.

          Als Laudator für Adonis hatte nach Kermanis Absage der Syrien-Experte und Publizist Daniel Gerlach zugesagt. Ob er diese Zusage auch zu einem neuen Termin einhalten könne, müsse noch geklärt werden. Adonis selbst sei über die Verschiebung „nicht erfreut“, sagte Schneider. Man versuche aber, „ihm deutlich zu machen, dass wir unsere Entscheidung, ihm den Preis zu verleihen, nicht revidieren werden.“

          Weitere Themen

          Ein Initiator der Moderne

          Maler Frédéric Bazille : Ein Initiator der Moderne

          Kaum hatte er seinen Vater von seinem Weg überzeugt, zerstörte der deutsch-französische Krieg eine vielversprechende Karriere: Vor hundertfünfzig Jahren fiel der Maler Frédéric Bazille auf dem Schlachtfeld.

          Opas Kino guckt für mich

          Filmfest Mannheim-Heidelberg : Opas Kino guckt für mich

          Jenseits der Üblichkeiten des internationalen Festivalbetriebs ist noch Platz: Das Filmfest Mannheim-Heidelberg macht einen neuen Anfang mit interessanten Filmen wie „My Mexican Bretzel“ von Nuria Giménez.

          Topmeldungen

          Kritisierte Meuthens Rede als „spalterisch“: der Vorsitzende der Bundestagsfraktion und AfD-Ehrenvorsitzende Alexander Gauland

          AfD-Parteitag : Gauland schlägt zurück

          Für seine Kampfansage an die Radikalen muss der AfD-Vorsitzende Jörg Meuthen heftige Kritik einstecken. Fraktionschef Alexander Gauland rügt Meuthens Rede als „Verbeugung vor dem Verfassungsschutz“ – dabei müsse die AfD gegen diesen „kämpfen“.

          Pressefreiheit in Frankreich : Macrons Doppelmoral

          Es ist gut, dass der französische Präsident Karikaturen gegen Zensurversuche im Namen der „politischen Korrektheit“ verteidigt. Doch er wäre glaubwürdiger, wenn er die Pressefreiheit nicht an anderer Stelle selbst einschränken würde.
          Kaum zu glauben: Marco Reus unterliegt mit der Borussia gegen Köln.

          Überraschende BVB-Pleite : Dortmunder Debakel gegen Krisenklub

          Mit einem Sieg hätte die Borussia an der Bundesliga-Tabellenspitze Druck auf den FC Bayern machen können. Stattdessen unterliegt der BVB dem abgeschlagenen 1. FC Köln. Erling Haaland vergibt in der Nachspielzeit eine Großchance.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.