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Indirekter Verdacht : Antisemitismus unter Antisemitismusforschern?

  • -Aktualisiert am

Organisiert von der „Islamic Human Rights Commission“: Londoner Demonstration am Al-Quds-Tag Bild: Yui Mok/PA Wire/dpa

Das Zentrum für Antisemitismusforschung an der TU Berlin hat erst eine Konferenzteilnehmerin ausgeladen – und dann die ganze Tagung abgesagt. Jetzt steht der Organisator unter Druck.

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          Vergangene Woche ist am Zentrum für Antisemitismusforschung (ZfA) der TU Berlin eine Veranstaltung abgesagt worden – aus Sicherheitsgründen. Man wollte dort die Ergebnisse eines Projekts der Universität Leeds präsentieren, den sogenannten „Counter Islamophobia Kit“. Die TU nennt es eine „Methoden- und Instrumentenbox für die Auseinandersetzung mit Islamfeindschaft“. Das Projekt wurde von der Justiz-Generaldirektion der EU-Kommission gefördert, beteiligt waren acht Mitgliedstaaten und mehrere renommierte europäische Universitäten. Ende September wurde es im EU-Parlament präsentiert und stieß dort auf reges Interesse. An der TU fürchteten die Projektverantwortlichen nach Drohungen in sozialen Netzwerken dagegen um die Sicherheit von Gästen und Mitarbeitern. Warum kann man an einer Berliner Universität nicht mehr wissenschaftlich über Islamophobie und antimuslimischen Rassismus diskutieren?

          Schenkt man Berichten in der deutschen Tagespresse Glauben, müsste man der TU für die Absage gratulieren und darin eine gebotene Distanzierung von Antisemitismus sehen. Aber wie kam es überhaupt zu dem Verdacht? Angefangen hatte die „taz“, die vergangene Woche kritisierte, dass auf der Veranstaltung auch Arzu Merali referieren sollte, eine Mitarbeiterin der an dem Projekt ebenfalls beteiligten „Islamic Human Rights Commission“ (IHRC). Ihrem Selbstverständnis nach widmet sich diese Londoner NGO dem Kampf gegen Islamfeindschaft und der Benachteiligung muslimischer Minderheiten in Westeuropa. Allerdings organisiert die IHRC auch den britischen Al-Quds-Tag, steht in Kontakt mit radikalen Islamisten und erklärten Feinden Israels. Es gibt also hinreichend Gründe, die IHRC eine antisemitische und antiisraelische Organisation zu nennen. Insofern war es sicher richtig vom ZfA, Arzu Merali von der Tagung auszuladen.

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