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Verbot von Schottergärten : Steine statt Schneeglöckchen

Bonjour Tristesse: ein einsamer Baum auf dem Gelände der Bundesgartenschau 2007 in Gera und Ronneburg Bild: Picture-Alliance

Manche Hausbesitzer verwandeln ihre Vorgärten in Steinwüsten. Jetzt werden die ökologisch toten Flächen zum Politikum: Deutschland diskutiert über ein Verbot der grauen Gärten.

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          Man kennt sie als Schottergärten, Schotterschüttung, Steinöde oder unter der liebevollen Bezeichnung „Gärten des Grauens“: Steinwüsten, gern auch mehrfarbig in fröhlichen Grauschattierungen umgesetzt und wie zum Hohn mitunter von einer einsamen Krüppelkonifere bewohnt, die um ihr Leben ringt. Im schlimmsten Fall ist das Elend umgeben von „Vertikalschotter“, wie der Satiriker Dietmar Wischmeyer die Gabionenwand einst nannte. Diese Schottergärten werden in letzter Zeit vermehrt zum Politikum, denn Städte und Gemeinden würden sie gerne rundheraus verbieten. In Xanthen, Herford und Paderborn gibt es schon entsprechende Auflagen in den Bebauungsplänen für Neubaugebiete, andere Städte ringen noch darum. In Dortmund zum Beispiel geht es hoch her: Vor kurzem wurde dort ein Schottergartenverbot in die Bebauungspläne aufgenommen, doch die lokale CDU protestiert aufs schärfste über diesen massiven Eingriff in das Privateigentum der Bürger.

          Schotter, so ahnt man, ist der neue Diesel. Denn neben allen ästhetischen Einwänden gegen das steinerne Elend sprechen vor allem Gründe des Umwelt- und Klimaschutzes gegen diese Flächen, die man nicht mehr guten Gewissens als Garten bezeichnen mag. Meist wird dabei die Humusschicht abgetragen und der verbliebene Grund mit einer Folie abgedeckt. So kann kein Würmchen und kein Kräutchen von unten durchdringen, und der Boden ist auch gleich noch versiegelt. Dann wird ein halber Meter Kleingestein aus Indien oder China aufgestreut. Das Ergebnis ist ökologisch so tot wie ein Stück Autobahn und heizt sich ähnlich schnell auf – und spätestens dann geht es einen doch etwas an, was der Nachbar da zukiest oder eben nicht. Drei Jahre ungefähr geht die Sache ohne Pflege gut, dann fangen die ersten Schotterflächenbesitzer an, unfreiwilliger Begrünung und Bemoosung großflächig mit Pestiziden zu Leibe zu rücken, was sie eigentlich nicht dürfen. Warum also tun Menschen so etwas, und warum gibt es so viele davon? Zeit also, eine Schottergartenexpertin zu diesem Phänomen zu befragen. Die Berner Geographie-Studentin Evi Rothenbühler erstellte die Studie mit dem schönen Titel „Schottergärten und Landschaft: Dynamik – Akteure – Instrumente“ für die Stiftung Landschaftsschutz Schweiz, denn der Schottergarten ist kein rein deutsches Phänomen. Auch in der Schweiz hat man seine Grünflächen mitunter gern abwaschbar, vor allem an Stadträndern und in ländlichen Gebieten, wenn die Umgebung vermeintlich ohnehin schon grün genug ist. Doch oft fehlt ihr vor lauter Monokultur der Artenreichtum, den ein blühender Staudengarten oder eine Wiese haben kann.

          Bleibt ein Problem: Wer kontrolliert das?

          „Was schön ist, ist immer sehr subjektiv“, sagt Rothenbühler und traut den Gartenbesitzern zu, dass ihnen die Steinwüste im Vorgarten tatsächlich gefällt. Auch entstehe sie oft aus Ratlosigkeit. Das Einfamilienhaus sei für viele noch immer ein wichtiges Wohlstandssymbol. „Ich habe das Gefühl, das hat in letzter Zeit zugenommen, weil die Leute weniger Zeit und Lust haben, Gartenarbeit zu machen“, sagt sie. Besonders interessant ist das Phänomen der epidemischen Verbreitung: „Sobald einer von den Nachbarn so einen Stein- oder Schottergarten hat, dann ist es wie ein Virus, das sich ausbreitet.“

          Etwa seit den siebziger Jahren beobachtet man bei der Stiftung Landschaftsschutz den Trend zum Schottergarten. „Es sind ja auch die Gartenbauer, die so etwas machen“, sagt Rothenbühler. Es gebe zwar auch Unternehmen, die sich der Steinwüste verweigerten, doch andere gaben zu, mit Schotterflächen gutes Geld zu verdienen. Im westfälischen Steinhagen war es der Besitzer einer Bio-Baumschule, der den Antrag in den städtischen Bauausschuss einbrachte. Nun sollen dort neue Gärten nicht mehr zugeschüttet werden dürfen. Im nahen Halle waren es Mitglieder des BUND, die die lokalen Politiker davon überzeugten, dass Gärten keine lebensfeindliche Umgebung sein dürfen. In Rastatt wurde vor wenigen Tagen ein Verbot durchgesetzt. In Darmstadt kommt man langsam ins Grübeln. In Zweibrücken findet die Fraktion der Grünen, dass es Hausbesitzern durchaus zuzumuten ist, unbebaute Grundstücksflächen zu begrünen. In Dortmund dagegen wurde hart gerungen. „Es kann doch wohl nicht sein, dass die Genehmigung eines Bauantrages von der Gestaltung des Vorgartens abhängig gemacht wird?“, fragt die örtliche CDU. Ehrlich gesagt: Bauanträge werden mitunter von ganz anderen Bedingungen abhängig gemacht, Schotterverbot und Pflichtbaum sind da wirklich nicht die absurdesten Auflagen.

          Bleibt ein Problem: Wer kontrolliert das? Wer läuft da durch und misst nach und schreibt Strafzettel? Womöglich hilft es am Ende nur, das Thema aus der Egal-Zone zu zerren. Der Nabu veranstaltete einen Fotowettbewerb zum Thema, und eine Facebookgruppe namens „Gärten des Grauens“, initiiert von einem Biologen, sammelt die schlimmsten Beispiele und macht sich darüber lustig. Wer sie durchblättert, möchte sofort ein Apfelbäumchen pflanzen und eine Blumenwiese säen.

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