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Zensur von Stalin-Filmkomödie : Eine Pfütze und lauter Pappnasen

  • -Aktualisiert am

Stalin starb allein, weil sich keiner seiner Untertanen ins Zimmer traute: Szene aus Armando Iannuccis Filmkomödie „The Death Of Stalin“ (2017). Bild: Concorde Filmverleih

Im Film „Stalins Tod“ trifft Stalin der Schlag, weil ihm eine Pianistin einen gnadenlosen Brief schreibt. Der Kreml bestimmt, die Vorführung der Komödie in Russland zu verbieten. Und verrät damit viel über den russischen Kulturbetrieb.

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          Ende vorigen Jahres, während eines Abendbummels durch London, stieß ich auf ein Kino, in dem ein neuer englischer Film lief: „Stalins Tod“. Es wurde eine Komödie versprochen. Bekannte Schauspieler, der Regisseur ebenfalls kein Unbekannter. Meine Begleiter, Slawisten aus Kanada, kauften Eintrittskarten, und wir tauchten ein in einen komfortablen Kinosaal. Er war fast voll besetzt. Ich weiß noch, dass ich mich wunderte: Die Londoner interessieren sich für Stalin!

          Während der Vorführung amüsierten sich die Zuschauer und knabberten Popcorn. Über die Leinwand wuselten Stalins verschreckte Mitstreiter. März 1953: Nach der etwas gewagten Version des Films stirbt Stalin, weil er einen zornigen Brief der von ihm geliebten Pianistin Maria Judina liest (Oh, ich erinnere mich selbst gut an die Judina, sie war wirklich eine phantastische Pianistin!). Sie scheut sich nicht, in ihrem Brief eine christlich-orthodoxe Position zu vertreten und sein totalitäres Regime scharf zu kritisieren. Und er, der Diktator, liebt sie paradoxerweise, aber was zu viel ist, ist zu viel: Der Brief ist allzu gnadenlos. Stalin trifft der Schlag, er fällt auf den Teppich, pinkelt sich in die Hose und – finito!

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