Veganismus als Lifestyle : Unser Schrot und Korn gib uns heute
Die Sahne auf den Cupcakes ist weißer als weiß, sie scheint fast von innen zu leuchten. Mit perfektem Schwung windet sie sich auf dem Gebäck empor. Vollkommen milchfrei seien die Sahnehäubchen, aus reinem Soja, versichert die Bedienung hinter der Vitrine mit dem Kuchen. Im Café Krawummel in Münster hängt man es nicht an die große Glocke, dass hier alle Speisen vegan sind, nicht ein einziges Schild weist darauf hin; nur auf Nachfrage steht das Personal Rede und Antwort. Erst mittags macht das Café in der Innenstadt mit den großen Terrassentüren zur Straße und den Blumenbildern in knalligen Farben an den Wänden auf; bald tauchen Gäste auf: ein großflächig tätowierter Teenager, sportliche Studentinnen, die an Einzeltischen Salat essen, ein Paar mit Kleinkind, ein Mann, Typ Banker, im Anzug, der in die Mittagspause hetzt. Auf der großen Wandtafel stehen die Tagesgerichte: Portobello-Pilzburger mit Avocadocreme und Birne-Paprika-Chutney, Hokkaidoröllchen, Ofensüßkartoffel mit Tofu-Feta.
