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„Valkyrie“ und RAF-Film : Stunde der Verschwörer

Panzer am Potsdamer Platz: Dreharbeiten zu „Valkyrie” Bild: AFP

In Berlin sind derzeit die Kameras auf zwei scheinbar gegensätzliche Meilensteine der deutschen Zeitgeschichte gerichtet: Während Bryan Singer „Valkyrie“ dreht, verfilmt Uli Edel um die Ecke Austs „Baader Meinhof Komplex“. Ein Zufall? Es gibt keine Zufälle, meint Andreas Kilb.

          5 Min.

          Am 14. Mai 1970 ist das Deutsche Zentralinstitut für Soziale Fragen (DZI) im Berliner Stadtteil Dahlem eine Stätte des Entsetzens. Reifen quietschen, Menschen schreien, Schüsse peitschen, ein Mann sinkt getroffen zu Boden. Drei Frauen, Ingrid Schubert, Irene Goergens und Ulrike Meinhof, befreien mit Waffengewalt einen Häftling der Justizvollzugsanstalt Tegel, der zum Studium eines Buches in die Institutsbibliothek gebracht worden ist. Er heißt Andreas Baader. Im Handgemenge wird der Institutsangestellte Georg Linke schwer verletzt, Baader und Komplizen entkommen in einem roten Alfa Romeo; am Steuer sitzt Astrid Proll. Drei Wochen später erscheint in einer Berliner Szenezeitschrift das Manifest der Gruppe: „Die Rote Armee aufbauen“. Es ist der Ursprung der „Rote Armee Fraktion“, der Beginn des linken Terrors in Deutschland.

          Andreas  Kilb

          Feuilletonkorrespondent in Berlin.

          Heute ist die Bernadottestraße in Dahlem eine jener Inseln der Ruhe, wie sie selbst im reichen Westen der Hauptstadt immer seltener werden. Luxuslimousinen parken hinter schmiedeeisernen Toren, Buchen und Kastanien werfen ihr Laub auf makellose Rasenflächen, und nur das Zwitschern der Amseln durchbricht die Stille des Vormittags. Im Haus Nummer 94, einer klassizistischen Villa aus den zwanziger Jahren, residiert das DZI, eine Stiftung des Berliner Senats und anderer öffentlicher Träger, deren Aufgabe neben der Beratung privater Spender vor allem in der Betreuung einer umfangreichen Fachbibliothek zu den Themen Sozialarbeit und Wohlfahrtspflege besteht. In den engen Räumen stauen sich die Bücher; Kopierer, Computer und Karteien sind in Vorzimmer verbannt. Der Publikumsverkehr hält sich in Grenzen.

          Der Schaulust Zucker geben

          In diesen Spätsommertagen hätte das Institut eigentlich wieder ein Ort der Unruhe sein müssen. Schließlich dreht Uli Edel seit Mitte August in Berlin seinen Film „Der Baader-Meinhof-Komplex“ nach dem Buch von Stefan Aust und unter der Aufsicht des Produzenten Bernd Eichinger, der mit der Chronik der RAF seinen zweiten Ausflug in die deutsche Zeitgeschichte nach dem „Untergang“ unternimmt. Aber in der Bernadottestraße ist von Eichingers Team nichts zu sehen, die Arbeit im DZI geht ihren ruhigen Gang. Stattdessen wird einige Ecken weiter im Südwesten gedreht, in einer Seitenstraße des Hüttenwegs, ganz in der Nähe des amerikanischen Konsulats und der Freien Universität Berlin, an der Ulrike Meinhof nach der Trennung von Klaus Rainer Röhl im Jahr 1968 Seminare gab. Die Straße ist mit Filmfahrzeugen zugeparkt, aber der Set bleibt Besuchern verschlossen, es gilt die höchste Geheimhaltungsstufe wie bei allen wichtigen Szenen dieser Produktion. Der „Baader-Meinhof-Komplex“ entsteht unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

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