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Amerikanische Museen : Was wird aus der kulturellen Grundversorgung?

  • -Aktualisiert am

Alle starren aufs Metropolitan, das als Vorreiter unter den Museen gilt. Bild: Laif

Künftig nur für zahlungskräftige Mitglieder: An die zwölftausend amerikanische Museen sind in ihrer Existenz bedroht. Die Lage könnte die Prioritäten der Häuser empfindlich verschieben.

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          Viele New Yorker hatten sich zu früh gefreut. In der Stadt sollten die Museen eigentlich am 20. Juli wieder öffnen dürfen, doch Gouverneur Andrew Cuomo änderte die Regeln für die vierte Phase der Wiederöffnung wegen der Corona-Ansteckungsgefahr. So gibt es weiterhin kein Essen im Innenraum von Restaurants und keine Spaziergänge durch die endlosen Säle des Metropolitan Museum am Central Park.

          Das größte Kunstmuseum des Landes ist Schrittmacher für die anderen Häuser in New York, wenn es um die Wiedereröffnung geht. Als es im März seine Schließung bekanntgab, folgten die anderen Institutionen auf dem Fuße. Ende August will das Museum nun seine Türen wieder öffnen. Weitere Häuser wie das American Museum of Natural History kündigten an, dass Besucher in der ersten Septemberhälfte zurückkehren könnten. Erwartet wird, dass die Museen nur noch ein Viertel des sonst zugelassenen Publikums empfangen werden. Im Naturkundemuseum galt bislang eine „Zahl was du willst“-Regel, doch zukünftig sollen zumindest Besucher von außerhalb 23 Dollar zahlen. Auch andere Häuser werden vermutlich die Eintrittspreise erhöhen.

          Private Geldgeber und Staatshilfen

          Denn die größten Herausforderungen für die Wiedereröffnung sind finanzieller Natur. In den Vereinigten Staaten gibt es mehr als 35.000 Museen. Im Durchschnitt erhalten sie ein Viertel ihres Geldes vom Staat. Der Rest kommt aus Spenden und Eintrittsgeldern. Weil Letztere nun wegfallen, bemühen sich die Museen mehr denn je um private Geldgeber und werben in Washington und bei den Bundesstaaten um Staatshilfen.

          Die größte Branchenorganisation, die American Alliance of Museums (AAM), befragte im Juni 750 Museumsdirektoren über die Zukunftsaussichten ihrer Häuser. Danach warnte die AAM, dass bis zu einem Drittel aller Museen im Land dauerhaft dichtmachen könnten.

          Sparen und investieren

          Laut der Organisation hängen 726.000 Stellen direkt oder indirekt von den Ausstellungshäusern ab. Diese trügen fünfzig Milliarden Dollar im Jahr zum amerikanischen Bruttosozialprodukt bei. Zur Zeit verlören alle Museen in den Vereinigten Staaten zusammen 33 Millionen Dollar pro Tag. Einnahmen seien durch die Pandemie quasi über Nacht verschwunden, und viele Institutionen würden sich davon nicht mehr erholen, sagte die AAM-Präsidentin Laura Lott.

          Wenn an die 12.000 Museen aufgeben müssten, sei das „verheerend für Kommunen, die Wirtschaft, Schulsysteme und für unsere kulturelle Geschichte“. Von den Häusern, die sich retten könnten, würden der Verbandsumfrage zufolge vierzig Prozent nur mit reduzierten Belegschaften wiedereröffnen – sie müssten Geld sparen, aber gleichzeitig mehr in Sicherheits- und Hygienemaßnahmen investieren, so Lott. Die große Mehrheit der amerikanischen Museen habe finanzielle Reserven nur für ein Jahr oder weniger. Die AAM hatte deshalb schon im März gefordert, dass der Kongress den Museen mit vier Milliarden Dollar helfen solle.

          Vorrang beim Eintritt

          Allein in New York wurden laut einem Bericht der Stadt bis Mitte Juli 15.000 Mitarbeiter von kulturellen Institutionen oder Museen entlassen oder in Zwangsurlaub geschickt. Wie in anderen Branchen auch federte bislang das staatliche „Paycheck Protection Program“ die größten sozialen Gefahren für viele Museumsangestellte ab. Im Rahmen dieses Programms erhalten auch Ausstellungshäuser Kredite für die Gehaltsauszahlungen ihrer Mitarbeiter. Darunter sind beispielsweise das Guggenheim und das Whitney in New York. Diese Darlehen müssen unter bestimmten Umständen nicht oder nur zum Teil zurückgezahlt werden. Zur Zeit können sich Demokraten und Republikaner im Kongress aber nicht über die Fortsetzung der Hilfen einigen.

          Die Krise könnte langfristig dazu führen, dass Museen sich noch mehr auf private Geldgeber konzentrieren und diesen auch häufiger eine Vorzugsbehandlung anbieten. In einem Papier zur geplanten Wiedereröffnung des Children’s Museum in Manhattan werden neben zahlreichen Hygiene- und Sicherheitsmaßnahmen auch neue Prioritäten genannt: Mitgliedern, Spendern und spendenden Unternehmen sei zu bestimmten Zeiten Vorrang beim Eintritt zu geben, heißt es dort. „Member Hours“ gab es zwar bislang in zahlreichen Museen auch schon. Sie könnten aber jetzt im Namen des Fundraisings ausgeweitet werden.

          Aufrechterhaltung gesellschaftlicher Machtstrukturen

          Das Papier einer Beratungsfirma für das Kindermuseum schlägt exklusive Öffnungszeiten für Förderer an jedem Tag vor. Dessen Autorin Lisa Podos denkt auch über eine Strategie nach, die das Museum als „Quasi-Mitgliederclub“ neu positionieren könne. Unternehmen, die gespendet hätten, könnten dann sogenannte „take-over days“ buchen, an denen nur ihre Mitarbeiter mitsamt deren Familien Zutritt hätten. Immerhin will man Krankenhauspersonal an einzelnen Tagen den Eintrittspreis erlassen.

          Wenn mehr Museen in die Richtung gingen, die die Museumsberaterin Podos vorschlägt, würde das eine andere Entwicklung bremsen, die durch die Pandemie und deren soziale Auswirkungen an Dringlichkeit gewonnen hat. In New York und anderswo diskutieren Museen zunehmend über ihre Rolle bei der Aufrechterhaltung gesellschaftlicher Machtstrukturen und der Produktion entsprechender kultureller Bilder und Erzählungen. Dabei spielen die gezeigten Inhalte genauso eine Rolle wie das Bemühen, breiteren Bevölkerungsgruppen als bisher etwas anzubieten.

          Die Privatisierung des Zugangs, die das Beraterpapier dem Kindermuseum in Manhattan vorschlägt, dürften viele amerikanische Museumsangehörige kritisch sehen. So zum Beispiel die des Queens Museum in einem vom Coronavirus besonders betroffenen Stadtteil. Dort haben die Mitarbeiter ihr Haus gemeinsam mit lokalen Initiativen zu einer Tafel umfunktioniert: Freiwillige verteilen im Museum jetzt jede Woche Mahlzeiten an tausend bedürftige Familien aus der Nachbarschaft.

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