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Steve Bannon : Die Rückkehr des Barbaren

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Da waren sie sich noch einig: Der amerikanische Präsident Donald Trump und sein damaliger Chefstratege Steve Bannon. Bild: AFP

Vor vier Wochen verlor er seinen Job im Weißen Haus. Nun hat Steve Bannon wieder Zeit für die populistische Revolution. Damit kann er sehr viel Schaden anrichten.

          Am Dienstag war Steve Bannon in Hongkong und erklärte vor asiatischen Bankern, wie sehr er das chinesische Wirtschaftssystem bewundere. Zwar befänden sich die Vereinigten Staaten in einem ökonomischen Zerstörungskrieg mit Ländern wie Japan, Südkorea und China. Aber die Chinesen, so Bannon, „haben ein brillantes System. Ich ziehe meinen Hut.“ Gerade vier Wochen ist es her, dass der 63-jährige Bannon seinen Job als Chefstratege des Weißen Hauses verlor.

          Jetzt preist er in China die Führung des Landes, das er und sein Boss noch vor kurzem als Grundübel der Weltwirtschaft angeprangert hatten. Wir mussten in den vergangenen 18 oder 20 Monaten lernen, dass alle Naturgesetze des politischen Betriebs in Amerika und auch die meisten geschriebenen Gesetze nicht mehr gelten. Doch dass Steve Bannon, der Vordenker, Architekt und Propagandaminister der völkischen Bewegung Amerikas, nach China reist, um dessen autokratisches Regime zu loben, wirkt selbst im aktuellen Umfeld verstörend. Doch nur auf den ersten Blick.

          Bannon sammelt Gelder für seinen Feldzug

          Schließlich macht Bannon genau das, was alle von Trump entlassenen Führungskräfte nach ihrer politischen Karriere treiben: sich bereichern. Zumindest jene Ehemaligen, die nicht darum kämpfen, auf freiem Fuß zu bleiben. Während die Ex-Pressesprecher Sean Spicer und Anthony Scaramucci durch Talkshows tingeln und für sechsstellige Summen Reden halten, treibt Bannon sein Sendungsbewusstsein. Er sammelt Geld von Investoren, um seinen Feldzug gegen die liberale, offene, demokratische Gesellschaft zu Ende zu bringen. „Wir werden den administrativen Staat zerstören“, kündigte er an, nachdem Trump ihn zum Chef des Wahlkampfteams ernannt hatte.

          Doch im Weißen Haus haben sie ihn nur ein paarmal richtig zur Entfaltung kommen lassen. Beim Einreisestopp für Muslime etwa. Die meisten anderen Großvorhaben, vor allem der Bau der mexikanischen Mauer, wurden von den Feinden des wahren Amerikas sabotiert. Kushner. Tillerson. Ryan. McConnell. Priebus. „Das republikanische Establishment will unseren Wahlsieg annullieren“, erklärte Bannon in einem Interview mit Charlie Rose. „Die Republikaner?“, fragte Rose ungläubig nach. „Ja, die Globalisten, die Elite von der Wall Street.“

          Breitbart zeigt sich gemäßigt

          Nach seinem Abschied aus dem Weißen Haus hieß es zunächst, der ehemalige Goldman-Sachs-Banker Bannon werde zu Breitbart Media zurückkehren, dem „Völkischen Beobachter“ des digitalen Zeitalters, um dort den Propagandafeldzug für die extreme Rechte wieder zu entfachen. In der Szene, die sich verharmlosend „Alt-Right“ nennt, rumort es schon länger, weil Breitbart seit dem Wahlsieg verhältnismäßig moderate Töne anschlägt. Kaum noch Verschwörungstheorien über den Menschenhandel der Clintons, weniger Lügengeschichten über Horden von mexikanischen Vergewaltigern. Stattdessen betreibt Breitbart fast so etwas wie Journalismus mit Geschichten über Infrastruktur und den Obersten Gerichtshof.

          Der 31-jährige Chefredakteur Alex Marlow wagte es sogar, in einer Talkshow zuzugeben, dass die Russen versucht haben, die Wahl zu beeinflussen. Über Marlow ging ein Shitstorm nieder, der diesen Namen wirklich verdient hatte. Sämtliche Rassisten und Faschisten, die im Internet um Aufmerksamkeit buhlen, schütteten ihren Hass über Marlow aus. Inklusive Morddrohungen gegen ihn und seine Hunde. „Unsere Arbeit ist nicht einfacher geworden seit der Wahl“, sagt der Mann, der in Washington am Hundespielplatz nur Demokraten kennenlernt. „Wir sind jetzt etabliert, wir sind das reichweitenstärkste Medium der Rechten. Wir sind effektiver, wenn wir nicht brüllen.“

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