https://www.faz.net/-gqz-9r26x

Instagram-Urheberrechtsstreit : Es leuchtet blau

Hier kostenfrei, aber nicht auf Instagram: Ausblick über den „Blue Port“ Bild: dpa

Kein Panorama, sondern urheberrechtlich geschütztes Kunstwerk: Wer Bilder der temporären Lichtinstallation „Blue Port“ am Hamburger Hafen auf Social-Media-Plattformen teilt, wird dafür zur Kasse gebeten.

          Man sollte sich die Handlungsanweisungen auf der Homepage einer Kunstinstallation besser genau durchlesen, bevor man diese fotografiert und die Bilder in die sozialen Netzwerke stellt. Der „Blue Port“ Hamburg ist eine temporäre Kunstaktion, für die die Regeln des Urheberrechts gelten. „Die sogenannte Panoramafreiheit beispielsweise gilt hier nicht“, vermeldet die Stadt Hamburg im Kleingedruckten auf ihrer Website, und: „Nutzungen auf Social-Media-Plattformen sind ohne Genehmigung nicht zulässig und zudem grundsätzlich kostenpflichtig“.

          Die Betonung liegt hier auf „temporär“: Würde das Kunstwerk nicht nach dem 15. September abgebaut, sondern bliebe permanent Bestandteil des Straßenbildes, griffe die Panoramafreiheit. Dann dürfte niemand verhindern, dass Fotografien des Kunstwerkes angefertigt und beispielsweise auf Instagram geteilt werden.

          Mitteloriginell

          Der „Blue Port“ ist eine Installation des Künstlers Michael Batz und besteht aus sehr vielen blauen Led-Lampen, die Hafenkräne, Brücken und Gebäude in ein blaues Licht tauchen, was künstlerisch gesehen mitteloriginell ist, aber auf Fotos sehr hübsch aussieht, weshalb diese Aktion bereits zum siebten Mal stattfindet. In diesem Jahr steht sie unter dem Motto „Mobilität“, auch ein blau beleuchteter Fahrradweg gehört zum Programm, ebenso ein Fotowettbewerb. Wer seine Fotos vom blauen Leuchten jedoch nicht nur an die Veranstalter schickt, sondern auch auf sozialen Netzwerken teilt, handelt entgegen der Anweisungen.

          Und das hat Folgen: Die Verwertungsgesellschaft VG Bild-Kunst, die die Rechte der Urheber vertritt – in diesem Fall also des Künstlers Michael Batz –, schrieb Hobbyfotografen an und verlangt eine Lizenzgebühr von 28 Euro pro hochgeladenem Bild – oder Löschung. Das liege daran, dass ein Teil der Nutzungsrechte an den Bildern automatisch an Instagram beziehungsweise den Mutterkonzern Facebook abgetreten werden, erklärte die Verwertungsgesellschaft gegenüber der „Hamburger Morgenpost“, die den Fall zuerst aufgriff. Und diese Misere sei nur durch eine einmalige Zahlung der Nutzer zu bereinigen.

          Natürlich schließen sich daran Fragen an, etwa die der Zulässigkeit von Detailaufnahmen. Oder was, wenn das blaue Leuchten etwa bei einer Porträtaufnahme nur im Hintergrund verschwimmt? Das Urheberrecht kennt viele Ausnahmen, und wie immer muss auch hier im Einzelfall abgewogen werden. Wer auf der sicheren Seite sein will, verzichtet besser dankend auf die Vervielfältigung temporärer Kunstinstallationen im Internet.

          Weitere Themen

          Wie ein Ohrwurm ins Ohr kommt

          Wie erkläre ich’s meinem Kind? : Wie ein Ohrwurm ins Ohr kommt

          Morgens beim Frühstück läuft „Despacito“ im Radio – und für den Rest des Tages in Dauerschleife im Kopf. Ein Ohrwurm kommt unerwartet und in den merkwürdigsten Formen. Warum bleiben eigentlich manche Lieder im Kopf kleben?

          Matthew Sweeney: „Hund und Mond“

          Frankfurter Anthologie : Matthew Sweeney: „Hund und Mond“

          Die Gedichte des irischen Schriftstellers Matthew Sweeney sind witzig und ernst zugleich. Seine Geschichten lösen Altbekanntes von der Realität und erweitern damit unsere Vorstellungskraft.

          Topmeldungen

          Kanzlerin Merkel: Auch wenn das Klima-Paket der Koalition am Freitag zu einem Eckpunkte-Päckchen schrumpfte, ein Scheitern konnte sich die Koalition nicht leisten.

          Klimapolitik : Der Offenbarungseid der Merkel-Ära

          Der Klimaschutz in Deutschland muss nicht nur das Klima retten. Die Koalition denkt auch an sich. Zwischen Protestkultur von links und rechts sucht sie den Mittelweg.
          Erwachsen geworden: Erik Podzuweit und Stefan Mittnik (links), zwei der drei Gründer von Scalable Capital

          Fintechs : Evolution ist die neue Revolution

          Viele der einst rebellischen Fintechs zielen gar nicht mehr darauf ab, die Banken abzulösen. Stattdessen kooperieren sie oder bieten sogar Produkte für die Konkurrenz an.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.