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Zu Besuch bei der Gema : Wir, das gute Monopol

  • -Aktualisiert am

Hier ist die Kreativwirtschaft am Werk: Mehrere tausend Menschen Demonstrieren gegen die Tariferhöhung der GEMA. Ihre Plakate zieren vor allem Wortspiele Bild: dapd

Sie treibt die Gebühren für das öffentliche Abspielen von Musik ein. Die Piraten hassen sie, aber vielen Komponisten sichert sie die Existenz: Zwei Lokaltermine bei der Gema.

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          Ob man bei der Gema Spaß versteht? Ein Liedchen pfeifend, betrete ich die Münchner Generaldirektion, die, gut versteckt hinter dem City Hilton Hotel, an der Rosenheimer Straße liegt. Wie es die Art einer einflussreichen, aber wenig beliebten Einrichtung sein mag, hat man das ohnehin nicht gerade protzige Firmenschild so weit oben an dem gelblich-beigefarbenen Klinkerbau befestigt, dass man den Kopf in den Nacken legen muss. Einen Steinwurf entfernt ist der Gasteig.

          Edo Reents

          Redakteur im Feuilleton.

          Gesellschaft für musikalische Aufführungspraxis und mechanische Vervielfältigung: Schon der Name ist deutsche Wertarbeit; die Gründlichkeit, mit der die Organisation zu Werke geht, auch. Lange Zeit hat die Öffentlichkeit sie dabei gewähren lassen. Die Gema, die bis in die kleinsten Ritzen unseres von Musik beherrschten Alltags vorgedrungen ist und in deren Kasse es praktisch andauernd klingelt, war bis vor kurzem eine Angelegenheit für Profis, Buchhalter und Spezialisten. Die nicht-komponierende Bevölkerung nahm von ihrem Wirken ähnlich Notiz wie von anderen Einrichtungen auch, deren Undurchschaubarkeit nicht das Bedürfnis weckt, es sonderlich genau wissen zu wollen.

          Bei Straßenmusikanten kassiert die Gema gar nicht

          Nun ist die Gema aber kein sich selbst genügender bürokratischer Apparat. Sie lebt einerseits von geltendem Recht, dem Urheberrecht; andererseits von der Trägheit derer, die bei der Wahrnehmung ihrer Rechte keinen Wert auf Kleinkram legen. In Abwandlung eines Banken-Spruchs könnte die Gema zu ihren Mitgliedern sagen: Musizieren Sie, wir kümmern uns um die Details.

          Christfried Schmidt sah sich als DDR-Künstler bessergestellt. Aber die Gema sieht er nicht so kritisch wie die Demonstranten: „Für meinen Lebenswandel reicht’s.“

          Um zu sehen, wie ernst die Gema ihre Sache nimmt, pfeife ich beim Eintritt „Michelle“ von den Beatles. Wird man, da es sich eindeutig um die Aufführung eines noch nicht rechtefreien Liedes handelt, sofort zur Kasse gebeten? Für alle Fälle habe ich Bargeld dabei. Der Empfangsmann sagt nichts und bittet nur um eine erkennungsdienstliche Unterschrift. Eine Pressesprecherin begleitet mich zum Fahrstuhl. Im Besprechungszimmer ist von der Schwüle, die an diesem Nachmittag herrscht und sich noch in einem Gewitter entladen wird, nichts zu spüren. Harald Heker, der Vorstandsvorsitzende, kommt herein, promovierter Jurist, der früher Künstler vertreten hat und dann beim Börsenverein des Deutschen Buchhandels war. Er ist Anfang fünfzig, schlank, gut frisiert, der Anzug geschmackvoll, eine Mischung aus Mathias Döpfner und Ole von Beust.

          Gepfiffen wird jetzt nicht. Stattdessen frage ich zur Auflockerung: „Was hätten Sie gesagt, wenn ich mit einem noch nicht rechtefreien Lied auf den Lippen hereingekommen wäre?“ Diese Idee scheint ihn nicht zu beeindrucken: „Da es sich um eine nichtöffentliche Aufführung gehandelt hätte, wäre das erlaubt gewesen.“ Und wenn ich in der U-Bahn pfeife? „Das wäre etwas anderes. Aber bei Straßenmusikanten kassiert die Gema gar nicht.“

          Eine Geschäftsgrundlage ist die Gema-Vermutung

          Man steht auf drei Säulen: dem Tonträgergeschäft, bei dem die Gema genau 9,009 Prozent vom Händlerpreis bekommt; dem Rundfunk, der für jede abgespielte, rechtlich geschützte Musik bezahlt; und allen Veranstaltungen, auf denen Musik gespielt wird, um die kümmert sich der sogenannte Außendienst, für den in sieben Bezirksdirektionen fünfhundert Mitarbeiter im Einsatz sind.

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