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Tariferhöhung der Gema : Wenn die Musik nicht mehr spielt

DJ und Clubbesitzer Sven Väth fragt sich: „An wen fließen Tantiemen denn eigentlich, wenn doch fast alle Platten aus meinem Set gemafrei sind?“

Wer diese Summen denn heute einstecke, wollten wir naturgemäß wissen, und die Antwort war immer die gleiche: Er zahle seine Steuern, und seine Angestellten bekämen anständige Gehälter. Die Mieten seien gestiegen, die Strompreise auch. Das sagt Cookie über seinen Club, und einer, der im „Berghain“ arbeitet, bestätigt das: Wenn man diesen Selbstauskünften glaubt, dann sind die Clubs heute solide geführte mittelständische Unternehmen, die gerade so über die Runden kommen.

Kein Interesse an der Musik

“Es kann natürlich nicht in unserem Interesse sein, dass Clubs wegen der Gema-Vergütung schließen müssen“, sagt der Gema-Sprecher Franco Walther - und es sind ausgerechnet die Leute, deren Rechte die Gema doch schützen soll, es sind die Urheber, die Musiker, die da kategorisch widersprechen. Die Gema habe keine Ahnung davon und kein Interesse daran, wer die Urheber der Musik in den Clubs seien, sagt Fetisch, der seit 16 Jahren selbst Mitglied der Gema ist: „Die tun so, als legten wir die Scorpions auf.“ Dabei gebe es längst digitale Werkzeuge, um festzustellen, welche Musik wirklich aufgelegt wird. Die Gema halte aber an ihrem alten, völlig undurchschaubaren Verteilungsschlüssel fest und schütte ihre Gewinne an die falschen Musiker aus, an Dieter Bohlen oder Herbert Grönemeyer: „Die Leute, die wirklich von der Gema leben, sind die Superstars, die regelmäßig Singles von sich oder den Künstlern, die sie produzieren, in den Charts haben“, hat der DJ und Clubbesitzer Sven Väth in dieser Woche in einer Solidaritätsadresse geschrieben: „An wen fließen Tantiemen denn eigentlich, wenn doch fast alle Platten aus meinem Set gemafrei sind?“

Dass ein DJ, wenn er gut ist und einen Anspruch an sich selbst hat, nicht einfach einen Hit nach dem anderen auflegt; dass er musikalische Bausteine mitbringt; dass also die Musik, zu der die Leute tanzen, erst am Mischpult oder auf dem Laptop entsteht: das ist nicht gerade eine neue Nachricht, die ersten Doktorarbeiten über das Mixen und Sampeln von tanzbarer Musik wurden vor ungefähr 15 Jahren geschrieben. Dass die Gema dafür kein Sensorium hat, keinen Maßstab, kein Gespür, das liegt ja nicht daran, dass man das nicht wissen könnte. Es liegt eher daran, dass die Fragen, welche diese Musik aufwirft, sich mit dem Zollstock und dem Taschenrechner nicht beantworten lassen. Es sind allerdings Fragen, die sich seit den frühen Achtzigern stellen: seit alles angefangen hat mit der DJ-Kultur.

Insofern hätten jene Leute, welche die Gema als Urheber bezeichnet und die die Musik machen, welche in den Clubs gespielt wird, gar nichts dagegen, wenn die Leute von der Gema sich um ihre Rechte kümmern würden. Sie müssten halt nur mal damit anfangen, sich für die Musik zu interessieren. Sie müssten damit anfangen, endlich mal zuzuhören.

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