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Piraten & Urheberrecht : Ein notwendiger Protest

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Der größte Knackpunkt ist und bleibt die Legalisierung von Filesharing. Hier die Angst der Urheber: Kann ja sein, dass ihr das Urheberrecht nicht mehr abschaffen wollt, aber de facto tut ihr es ja doch, wenn man alles kostenlos über Tauschbörsen teilen kann. Hier besteht meiner Meinung nach der größte Vermittlungsbedarf. Wie mit Internetangeboten wie Megaupload und kino.to umgegangen werden soll, ist auch bei Piraten klar: abschalten!

Netzsperrren? Abmahnungen?

Wo im Internet aus kommerziellem Interesse die Urheberverwertungsrechte Dritter verletzt werden, müssen die Urheber entweder am Gewinn dieser Dienste beteiligt werden, oder man stellt diese Angebote ab. In dieser Diskussion kommt sie hoch, unsere Angst, dass das Internet, Wiege unserer Sozialisation, beschnitten werden und Verwertungsinteressen unterworfen werden soll. Denn wie geht man gegen illegale Angebote vor? Mit Netzsperren? Mit restriktiven Regelungen gegenüber Nutzern? Abmahnungen?

Oder vielleicht schaffen es die Inhalteanbieter aber auch, gegen solche Seiten so vorzugehen, wie es Banken und Kreditkartenunternehmen schon lange bei Phishing-Seiten machen. Kein Provider hat ein Interesse daran, ein solches Angebot auf seiner Infrastruktur zur Verfügung zu stellen. Wo sich der Provider nicht ermitteln lässt, muss eben mit klassischer Ermittlungsarbeit vorgegangen werden. Gesamtgesellschaftlich ergibt es keinen Sinn, Filesharer drakonisch zu bestrafen oder zu versuchen, Filesharing durch Eingriffe in die oder Überwachung der Netzinfrastruktur zu unterbinden.

Es kann nicht im Interesse eines Urhebers sein, wenn seine Werke Grundlage für das sind, was man in Deutschland Abmahnindustrie nennt. Die Anbieter von Inhalten sollten sich statt aufs Abmahnen von Filesharern auf den Ausbau legaler Angebote konzentrieren: Markt statt Mäzenatentum. Wir müssen an einen Punkt kommen, an dem ein Nutzer, der ein Werk konsumieren möchte, die Möglichkeit hat, es auf einem Weg zu tun, der legal ist und dabei sowohl dem Urheber als auch den an der Produktion beteiligten Menschen eine angemessene Entschädigung zukommen lässt.

Vertrieb ist Aufgabe der Anbieter

Es geht hier nicht um Almosen oder Mäzenatentum, es geht um Angebot, Nachfrage und die Preisgestaltung des Angebots. Die Nachfrage ist ohne Zweifel da, aber wo ist das Angebot? Warum gibt es Dienste wie Netflix oder Hulu in Deutschland nicht? Warum kann ich in einer Welt, in der sich Nachrichten via Twitter global in Windeseile verbreiten, eine amerikanische Fernsehserie zum Zeitpunkt ihrer Ausstrahlung nicht im Deutschen iTunes-Store kaufen?

Der Vertrieb ist aber nicht Aufgabe von Urhebern und Konsumenten, er ist Aufgabe der Inhalteanbieter. Als Politiker will ich mir keine Geschäftsmodelle oder Vertriebswege im Internet ausdenken; als Politiker will ich Rahmenbedingungen setzen, in der Partikularinteressen einen gesamtgesellschaftlichen Ausgleich finden. Man kann davon ausgehen, dass die Piratenpartei noch in diesem Jahr ihren konstruktiven Beitrag hierzu leisten wird.

Auch sollten wir als Partei nicht anfangen zu definieren, was Kunst ist. Der letzte, der sich daran versucht hat, war Franz Joseph Strauß, und ich glaube nicht, dass sich Piraten ihn zum Vorbild nehmen sollten. Die Freiheit der Kunst ist vollkommen zu Recht im Grundgesetz verankert. Der Urheber, der Kulturschaffende, diejenigen also, die darauf angewiesen sind, mit ihrer Kreativität für ihren Lebensunterhalt zu sorgen, haben genauso ihre Daseinsberechtigung wie jeder andere Beruf. Es bringt nichts, das Dasein des Künstlers, des Urhebers zu verklären oder zu romantisieren. Es bringt erst recht nichts zu unterstellen, was kommerziell sei, sei keine Kunst. Die Wut und Angst von Urhebern ist für mich angesichts des Unverständnisses, das Kulturschaffenden teilweise im Internet entgegengebracht, wird verständlich.
Aber noch mal: Ich habe keine Lust, jede Woche einen weiteren Aufruf für oder gegen das Urheberrecht zu lesen. Lasst uns endlich vernünftig miteinander reden.
 

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