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Michael Krüger zum Urheberrecht : Telefonat mit einem griechischen Freund

  • -Aktualisiert am

Ohne Gegenwehr in der Urheberrechtsdebatte? Der Verleger und Schriftsteller Michael Krüger Bild: Röth, Frank

Wenn Buchhandlungen schon Vasen verkaufen müssen, ist etwas gründlich faul: Wie ich einmal versuchte, meinem griechischen Freund unsere Debatte um Urheberrechte zu erklären, die ich selbst kaum verstehe.

          Anruf eines griechischen Freundes. Es tut gut, seine Stimme zu hören. Vor der Krise hat er mir immer Mails geschrieben, die häufig mit einer Entschuldigung endeten: Entschuldige, dass ich dir auf deinen handschriftlichen Brief mit schnöder elektronischer Post antworte! Was er zu berichten hat, konnte man ahnen, aber wie schlimm es um den Einzelnen und sein Eigenes steht, das übersteigt doch unser westeuropäisches Vorstellungsvermögen. Den Roman, an dem er seit einigen Jahren schreibt, hat er beiseitelegen müssen, jetzt verdient er als Aushilfslehrer sechshundert Euro im Monat, die für die kleine Familie nicht ausreichen.

          Alle Fördermittel sind gestrichen, Stipendien können nicht mehr vergeben werden. Also muss er froh sein, mit einem Job als Hilfskellner in einem Hotel noch etwas dazuverdienen zu können, außerdem gibt es ein warmes Essen gratis. Die Menschheit wird wohl auf meinen Roman verzichten müssen, sagt er ironisch, und weil Griechen Schwierigkeiten mit dem „sch“ haben, sagt er „Mensheit“.

          Europa ist zu müde

          Nun haben sich die vereinten Europäer nie sonderlich für die griechische Kultur der Moderne interessiert. Die bedeutenden Dichter - Kavafis, Seferis, Elytis und Ritsos - gibt es in Übersetzungen, aber sie sind bereits Klassiker. Ihre Werke sind in der Diaspora oder im Exil entstanden, im Falle von Ritsos in griechischen Gefängnissen. Der einzige Romancier, der viel übersetzt wurde, hat in Genf gelebt: Nikos Kazantzakis. Er wird von den Touristen geschätzt, die in Griechenland Urlaub machen und am Strand einmal nicht amerikanische Schmöker verschlingen wollen.

          Dass auch in Griechenland europäische Literatur geschrieben wird, weiß man nicht. Vielleicht nach der Krise... Trotzdem versprach ich meinem Freund, bei den deutschen Literaturhäusern und anderen kulturellen Institutionen nachzufragen, ob es Stipendien für griechische Autoren gibt, große Hoffnungen konnte ich ihm nicht machen. Europa ist zu müde, um sich mit den kleineren europäischen Literaturen zu beschäftigen, und schon gar nicht mit denen des Balkans. Das Telefonat wurde ungemütlich, auch weil ich mich bald schämte

          Das Verschwinden des Autors

          Und sonst? Über was wird in Deutschland geredet?, fragte er. Ich war gerade in Berlin, sagte ich, und habe mir die Biennale angeschaut. Eine der Kuratorinnen dieser hoch subventionierten Veranstaltung hat verkündet: „Alles, was keine Politik ist, ist keine Kunst, sondern nur eine tote Vogelscheuche, gefüllt mit Scheiße und Reflexion.“ Ein gut bezahltes Statement, weil es so widerlich ist.

          Schweigen im Telefon. Und sonst? Hier wird, sagte ich schüchtern, gerade über das Verschwinden des Autors im Netz diskutiert. Eine kleine politische Gruppe, die sich Piraten nennt, hat der Gesellschaft eine Diskussion aufgezwungen, an der sich alle beteiligen müssen. Was im Netz steht, soll allen gehören, der Begriff „geistiges Eigentum“ wird abgeschafft, er sei „ekelhaft“.

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