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Historische Grundlagen : Stationen in der Entwicklung des Urheberrechts

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Seither bestimmen zwei Ideen das Urheberrecht: Die angloamerikanische Auffassung des Copyright geht von den Interessen der Öffentlichkeit aus und räumt dem Autor begrenzte Schutzrechte ein. Das Copyright ist in diesem Fall übertragbar. Die französische oder kontinentale Idee ist naturrechtlich begründet. Sie setzt den Schöpfer und seine Rechte an den Anfang. Der persönlichkeitsrechtliche Kern des Urheberrechts ist hier nicht übertragbar.

Die Entwicklung des deutschen Urheberrechts

In Deutschland, wo die Kleinstaaterei die Herausbildung des Urheberrechts lange Zeit behindert hatte, schloss man sich weitgehend der französischen Idee an. Während in Frankreich aber der vermögensrechtliche Teil übertragen werden kann, ist das Urheberrecht in Deutschland prinzipiell nicht übertragbar. 1810 führte Baden als erstes Land ein Urheberrecht nach französischem Vorbild ein. Es traf in Deutschland erstmals die Unterscheidung zwischen der geistigen Schöpfung und seiner materiellen Verkörperung. Preußen folgte 1837 mit dem ersten umfassenden Urheberrechtsgesetz. Es sah eine Schutzfrist von 30 Jahren nach Tod des Urhebers vor. 1870 führte der Norddeutsche Bund einen allgemeinen Urheberrechtsschutz ein. Mit der Gründung des Kaiserreichs wurden die verschiedenen Landesgesetze harmonisiert und ausgebaut.

1886 kam es auf Initiative des Börsenvereins des deutschen Buchhandels zum ersten internationalen Abkommen zum Urheberrecht, der „Berner Übereinkunft“. Sie sah unter anderem eine Mindestschutzfrist aller Werke von fünfzig Jahren nach Tod des Autors vor. Die Berner Übereinkunft wurde mehrfach überarbeitet und übt bis heute einen starken Einfluss auf die Gesetzgebung in den Mitgliedsländern aus.

Die Berner Übereinkunft galt noch nicht für fotographische und cinematographische Werke. Im ersten Jahrzehnt des zwanzigsten Jahrhunderts wurden in Deutschland auch musikalische und fotographische Werke urheberrechtlichem Schutz unterstellt. Die Grundzüge des bis heute geltenden Urheberrechts nahmen Gestalt an.

Das moderne Urheberrecht

Der technische Fortschritt und die wachsende Zahl der Werke, die urheberrechtlichen Schutz reklamierten, brachten im zwanzigsten Jahrhundert zahlreiche Überarbeitungen des Urheberrechts. Es kam zur Gründung von Interessensvertretungen der Urheber und Verwertungsgesellschaften. 1915 entstand die Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte (GEMA).

Als die ersten Tonbandgeräte seit Beginn der fünfziger Jahre die private Kopie musikalischer Werke ermöglichten, erstritt die GEMA die Einführung einer Geräteabgabe als Kompensation für die durch private Kopien erlittenen Verluste. Für jedes verkaufte Gerät fließt seither ein Teil des Verkaufspreises an Verwertungsgesellschaften. Die GEMA hatte sich zuerst vergeblich für ein Verbot der Geräte eingesetzt. 

1952 wurde in Genf auf Initiative der Unesco das Welturheberrechtsabkommen beschlossen, das die Unterzeichnerstaaten zur Anpassung ihres nationalen Rechts verpflichtete. In Deutschland vollzog dies 1965 das Deutsche Gesetz über Urheberrecht und verwandte Schutzrechte. Es stellte das Urheberrecht für Literatur, Musik, bildende Kunst und Fotographie auf eine einheitliche Grundlage. Erstmals erkannte es auch den rechtlichen Schutzbedarf für die ausübenden Künstler und die Verwerter an. Die Urheberrechtsfrist wurde um zwanzig Jahre auf siebzig Jahre nach dem Tod des Urhebers verlängert. Die zuvor verbotene Privatkopie wurde legalisiert.

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