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Glossar zum Urhebrrecht : Von Abmahnwellen, Kulturwertmarken und Buy-out-Verträgen

  • -Aktualisiert am

Shitstorm

Versucht man das Modewort ins Deutsche zu übersetzten – und wir verzichten an dieser Stelle darauf - so könnte man meinen, ein Shitstorm sei etwas sehr Unappetitliches. Ganz so schlimm kommt es dann doch nicht, aber die Tendenz ist schon richtig: Shitstorms sind ziemlich unangenehm. Sie bezeichnen eine Flut an Kommentaren im Internet zu öffentlichen Äußerungen jeglicher Art, im Tonfall oft gehässig und bedrohlich. Als das Piratenparteimitglied Martin Delius im April gegenüber dem „Stern“ den Aufstieg der Piratenpartei mit dem der NSDAP zwischen 1928 und 1933 verglich, wurde er auf Twitter mit Kritik bombardiert. Ähnlich erging es dem Musiker Sven Regener, als er in einer Wutrede im Radio das Urheberrecht in Schutz nahm. Politiker und Personen des öffentlichen Lebens wagen aus Angst vor den maßlosen Anfeindungen in Netz oft nicht mehr, ihre Meinung zu bestimmten Themen frei zu äußern. Auf der Homepage der Piratenpartei findet sich schon ein Leitfaden, wie sich die Betroffenen eines Shitstorm zu verhalten haben.

Das Bloggernetzwerk Twitter ist die perfekte Plattform, um einen „Shitstorm“ zu beginnen
Das Bloggernetzwerk Twitter ist die perfekte Plattform, um einen „Shitstorm“ zu beginnen : Bild: dpa

Three-Strikes-Modell

„Three strikes and you are out“ – diese ursprünglich aus dem Baseball stammende Metapher bezeichnet ein Verwarnsystem bei Urheberrechtsverstößen im Internet. Nach zwei Vergehen, die nur leicht geahndet werden, folgt beim dritten Verstoß der temporäre Entzug des Internetzugangs. Ein solches Modell ist mittlerweile in Neuseeland, Südkorea, Frankreich, Taiwan und Großbritannien gängige Praxis, nicht aber in Deutschland, wo man bis vor Kurzem die abgemilderte Variante eines Two-Strikes-Modells diskutierte. Hierbei würden nach zweimaligen Verstößen zwar keine Netzsperren, aber ebenfalls deutliche rechtliche Konsequenzen (Abmahnungen, Klagen, Prozesse) erfolgen. Datenschützer kritisieren, dass Internet-Provider im Zuge eines Two-Strike-Modells gezwungen wären, die Informationen von Nutzern zu sammeln und an Privatunternehmen und deren Anwälte weiterzugeben. Auch wird eingewendet, dass die Ermittlung von IP-Adressen, also der digitalen Kennungen von Internetnutzern, einer hohen Fehlerquote unterliege.

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Verwerter

Als Verwerter werden Personen oder Unternehmen wie Musiklabels, Filmproduktionsfirmen und Verlage bezeichnet, die mit urheberrechtlich geschützten Werken handeln. Die Verwerter sind die Hauptzielscheibe der Kritik am derzeitigen Urheberrecht. Ihnen wird vorgeworfen, Künstler und Autoren mit Knebelverträgen auszubeuten und ihre Verkaufspreise nicht auf die viel billigeren digitalen Produktionsbedingungen angepasst zu haben. Weil das Internet jeden zu selbständiger Produktion und Vertrieb befähige, seien sie als Zwischeninstanzen nicht mehr nötig. Dagegen hat sich jüngst der Appell „Wir sind die Urheber“ ausgesprochen, in dem Künstler, Autoren und Wissenschaftler die Verwerter als unentbehrliche Zwischenglieder bei der Entstehung und Vermarktung ihrer Werke bezeichneten, mit denen sie freiwillig kooperierten. Ein Urheber kann Teile seiner Rechte über eben diese Verträge an Verwerter weitergeben. Damit wird nicht nur das Urheberrecht gewahrt, sondern auch die kommerzielle Vertreibung des Produkts gefördert. Es hängt von der Art der Lizenzverträge ab, mit welchem Anteil der Urheber letzen Endes entlohnt wird.

Stand: 12.7.2012
 

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