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Islamischer Staat : Unterwegs mit einem Kämpfer des Kalifen

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Hasstiraden gegen Machthaber

Von den militärischen Erfolgen spricht Abu Yusaf gern. Blitzartig hätten sie Mossul und die umliegenden Gebiete eingenommen und seien dabei nur auf geringen Widerstand gestoßen. Die Soldaten der irakischen Armee hätten Waffenlager und Fahrzeuge kampflos hinterlassen. Doch es wird auch klar: Der schnelle Feldzug hatte einen langen Vorlauf. „Der Westen hat Maliki und all seine Verbrecherfreunde schalten und walten lassen, Sunniten wurden systematisch unterdrückt, und das alles im Namen der Demokratie“, sagt Abu Yusaf und blickt aus dem Fenster des Autos.

Einige Stämme in Mossul und Umgebung hätten Abu Bakr al Bagdadi aus Verzweiflung und Wut über ihre „Unterdrückung“ durch die Maliki-Regierung schon vor dem Einzug die Treue geschworen. Und was war mit jenen, die sich dem verweigerten? Da sei nicht lange gefackelt worden, sagt Abu Yusaf. Er und die Anhänger des „Islamischen Staats“ haben eine klare Vorstellung davon, wer überhaupt ein „Muslim“ ist und wie diese zu leben haben. „Uns geht es nicht nur darum, die ungläubigen Schiiten zu bekämpfen, sondern auch jene, die gegen uns sind. Da ist es egal, ob jemand Sunnit ist oder nicht“, sagt Abu Yusaf.

Dann ergeht er sich in Hasstiraden gegen die „arabischen Machthaber“. Vor allem gegen jene, die in ihren Ländern „Ungläubigen“ erlaubten, Gebetshäuser zu errichten. „Bahrein und Marokko zum Beispiel, wo Christen und Juden Kirchen und Synagogen hätten und sogar in hohen Ämtern säßen. „Diese Machthaber werden früher oder später verschwinden, entweder wie Ben Ali, Gaddafi und Mubarak im Namen des ,Arabischen Frühlings‘ oder auf anderem Weg. Und dann kommen wir.“

Der Bruder kämpft wie ein Löwe

Der Wagen, in dem wir sitzen, hält plötzlich an. Die Straßen sind leer, Abu Yusaf schweigt. Er öffnet das Fenster auf seiner Seite und holt tief Luft. Aus der Ferne ertönt der Ruf zum Gebet. „In Europa ist dieser Ruf in den meisten Ländern nicht erlaubt und ist der Islam auch nicht erwünscht“, sagt er und rückte seine Kappe zurecht. „Und dann predigen sie uns etwas von Religionsfreiheit und Menschenrechten, diese Heuchler.“ Die „islamfeindliche“ Stimmung in Europa und die Diskriminierung hätten ihn auf den „rechten Weg gebracht“, sagt Abu Yusaf. So sei es bei den meisten, die sich aus den Vereinigten Staaten und aus Europa aufmachten, um für das Kalifat zu kämpfen.

„Sie kennen doch auch Abu Talha al Almani, den Rapper?“, fragt Abu Yusaf. Denis Cuspert alias „Deso Dogg“ hatte ich mehrmals interviewt, bevor er sich Richtung Syrien aufgemacht hatte. Wie es ihm denn gehe nach seiner schweren Verletzung? „Es geht ihm sehr gut. Der Bruder kämpft wie ein Löwe, Mashaala. Und wir haben noch andere aus Deutschland und viele aus Europa wie ihn“, sagt Abu Yusaf. Er schaut auf die Uhr seines Mobiltelefons. Es sei nun an der Zeit, das Interview zu beenden. „Irgendwann erkennst du, dass du nie dazugehören wirst. Jeden Tag, wenn ich die Medien angeschaut habe, hieß es ,Islam dies oder Islam das‘“, sagt er. Abu Yusaf hat seinen Islam gefunden.

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