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Unterwegs in Sachsen : Chemnitz in echt und in Farbe

Karl Marx in Chemnitz Bild: priz

Seit letztem Jahr denkt man an Skins, wenn man an Chemnitz denkt. Doch was geschieht da jetzt? Eine Region versucht mit autonom fahrenden Autos, gutem Rap und pragmatischen Demokraten die Lasten der Vergangenheit abzuschütteln.

          8 Min.

          Karl Marx sieht so aus wie ein Pokémon. Kein gutes. Seine Steinhaare sind animehaft kantig. Über den Augen liegt ein Schatten. Im letzten Jahr lag unter ihnen ein Meer aus Deutschlandfahnen, es waren die der Rechtsextremen, die vor dem Riesenmonument marschierten. Jetzt sind kaum Menschen auf der Straße. Bösartig brennt die Sonne auf der Haut. Es ist der zweite Tag, ein Sommertag, in Chemnitz. Und im Kopf sind die Bilder dieser Stadt vom letzten Sommer, ein hundert Mal gesehen in Nachrichten, im Internet: Die tausend Blumen auf der Straße, auf der ein junger Mann ermordet worden war. Der Marsch der Extremisten. Das Brüllen der Betrunkenen am Schlossteich, die sich „Revolution Chemnitz“ nannten und Ausländer angriffen. Und auch, wie ein endloser, ewiger Flashback, das Gesicht Alexander Gaulands, der noch im Nazideutschland-Chemnitz zur Welt gekommen ist.

          Anna Prizkau

          Redakteurin im Feuilleton.

          „Warum denn Chemnitz?“, sagten vor Tagen Freunde und Halbfreunde in Berlin, und sagten dann die Sätze auf, die man auch hört, wenn man erzählt, man reise nach Israel. „Oh, Gott! Pass auf dich auf!“, „Ist es nicht zu gefährlich da?“, und den berühmten Standardsatz: „Also ich würde da aus politischen Gründen nicht hinfahren!“ Normales Vorurteilen.

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