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Aufruhr im Museum : Mach es besser, Guggenheim!

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Countryside, The Future: Eine Ausstellung im Coronajahr
Countryside, The Future: Eine Ausstellung im Coronajahr : Bild: David Heald © Solomon R. Guggenh

Viele Kuratorinnen und Kuratoren, die für das Guggenheim arbeiten, darunter ein amerikanisch-kenianisches Forschungsteam, berichteten gegenüber dieser Zeitung von einem aggressiven und bevormundenden Ton, mit dem ihre Arbeit und Expertise abgekanzelt wurde. Auch die 61-jährige Spector, eine der wenigen Kuratorinnen, die es in der immer noch männlich dominierten amerikanischen Museumswelt als eine der ersten Frauen in eine Spitzenposition geschafft hatte, sah sich jetzt, besonders durch LaBouvier, aber auch durch die kuratorische Abteilung des Guggenheims, mit dem Vorwurf konfrontiert, als weiße, mächtige Person ihre Privilegien auszunutzen, um ein „Klima der Einschüchterung“ zu verbreiten. Eine schnell vom Management des Guggenheims angeleierte Untersuchung durch die Kanzlei Kramer Levin kam zu dem Schluss, dass Spector immerhin niemanden aufgrund der Hautfarbe diskriminiert habe, dennoch wuchs der Druck. Spector hat das Guggenheim Anfang Oktober nach fast 35 Jahren verlassen – offiziell, weil sie endlich ihre Doktorarbeit beenden möchte, wie es in der Stellungnahme des Museums heißt.

Mit der „Black Lives Matter“-Bewegung hat sich eine Debatte entwickelt, die sich nicht damit zufriedengibt, Themen wie Rassismus und Polizeigewalt lediglich in den Räumen von Museen zu sehen, sondern die auch eine kritische Selbstbefragung jener Institutionen verlangt, die Kunst zeigen. Wie sind die Zugangsbedingungen? Gibt es intern einen Ansprechpartner, an den man sich mit Problemen wenden kann? Und woher kommen überhaupt die Menschen, die entscheiden, was in einem Museum gezeigt wird? Wer in New York Karriere an einem Museum machen möchte, muss erst einmal ein paar Jahre mit extrem niedrigen Gehältern durchstehen. Das schaffen meist nur Kinder aus wohlhabenden Familien. Entsprechend setzt sich die Kuratorenschaft zusammen. Es sind vor allem solche sozioökonomischen Faktoren, die kulturelle Institutionen prägen und bestimmen, wem sie zuhören, wessen Geschichten sie erzählen und letztendlich bewahren.

Die Debatte betrifft nicht nur das Guggenheim

Die Debatte wird nicht nur am Guggenheim geführt. Im gleichen Monat beschrieben Angestellte des San Francisco Museum of Modern Art ebenfalls in einem offenen Brief, der unter anderem auf Instagram veröffentlicht wurde, die rassistischen Strukturen an ihrer Institution. Es mangele der derzeitigen Führung an „Wissen, Kompetenz und Menschlichkeit, um die Institution in eine antirassistische Zukunft“ führen zu können, heißt es da. Kurz danach gab Max Hollein, Direktor des Metropolitan Museum of Art, nach dem entgleisten Instagrampost eines Kurators in einem Statement der „New York Times“ gegenüber zu, dass sein Haus und dessen Entwicklung ohne Zweifel „mit einer Logik dessen verbunden sind, was als weiße Vorherrschaft definiert wird“ und dass man die Anstrengungen vergrößern müsste, dem entgegenzuwirken.

Mit Maske ins Museum: Das Guggenheim am Tag der Wiedereröffnung Ende September
Mit Maske ins Museum: Das Guggenheim am Tag der Wiedereröffnung Ende September : Bild: Picture-Alliance

Am Museum of Contemporary Art in Cleveland hat Jill Snyder ihren Posten als Direktorin nach 23 Jahren niedergelegt, nachdem sich eine Kontroverse um die Absage der fest geplanten Ausstellung des Künstlers Shaun Leonardo, die sich mit Polizeigewalt gegen Schwarze und Hispanics beschäftigen sollte, entzündet hatte. Das Haus hatte die Ausstellung im Licht der Proteste um den Mord an George Floyd mit dem Grund zurückgezogen, dass man sich den Traumata, die die gezeigten Arbeiten potentiell auslösen könnten, nicht gewappnet sah. Wären die Mitarbeiter der Häuser diverser, dann wären diese Entscheidungen und Äußerungen vermutlich anders ausgefallen.

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