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Arbeitsmoral an Hochschulen : Ehre und Ehrlichkeit der Studenten

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Die tiefen Taschen des Steuerzahlers im kuscheligen Wohlfahrtsstaat

Meine Universität ist eine Eliteuniversität, zumindest im deutschen Sinne. Das heißt, es gibt anscheinend genug Geld, um sage und schreibe mehr als hundert Exemplare des von mir verwendeten Lehrbuchs in die Bibliothek einzustellen. Die Kosten dafür entsprechen ungefähr dem Jahresnettogehalt meiner unterbezahlten Sekretärin. Nur zum Vergleich. Diese vielen Bücher sollen übrigens gerade zu Pulp gemacht werden (anstatt sie beispielsweise an Studenten zu verschenken), denn es wird eine neue Auflage gekauft. Daher brauchen Studenten sich das Buch gar nicht zu kaufen, sie bekommen es umsonst in der Bibliothek zur Verfügung gestellt. Der Steuerzahler scheint sehr tiefe Taschen zu haben und zahlt immer noch, ohne zu murren, für die Exzesse dieses kuscheligen Wohlfahrtsstaates.

Die Studenten haben zwei Chancen, die Klausur zu schreiben – eine Unsitte, die meine ausländischen Studenten immer überrascht, denn die kommen nach Deutschland, weil das Land international immer noch den Ruf von Leistung und Korrektheit hat. Wenn ihnen das Ergebnis des ersten Prüfungsversuchs nicht gefällt, schreiben sie eben auch die Nachklausur. Wenn sie die erste Prüfung nicht mitmachen wollen oder können, weil sie krank sind, und in der Nachklausur durchfallen, haben sie Anspruch auf eine mündliche Prüfung. Bei 160 bis 180 Studenten in meiner Vorlesung ist das keine triviale Aufgabe. Und die Studenten spielen mit diesem laxen System. Sie müssen zwar vorher anmelden, ob sie an der ersten oder der zweiten Klausur teilnehmen wollen. Wenn sie dann trotz Anmeldung nicht zur Klausur erscheinen, fallen sie durch. Außer, sie haben ein ärztliches Attest. Es ist erstaunlich, wie hoch der Prozentsatz plötzlich erkrankter junger Studenten ist – meist fehlen etwa zwanzig bis dreißig Prozent der zur Klausur Angemeldeten. Warum machen Ärzte bei diesem Betrug eigentlich mit? Haben auch die kein Ethos mehr?

Schummeln, dass sich die Balken biegen

Trotz dieser sehr milden Regeln passieren die merkwürdigsten Dinge, wenn es um Klausuren an deutschen Universitäten geht. Es wird so oft geschummelt, dass sich die Balken biegen. Wir müssen die Studentenausweise kontrollieren, damit nicht jemand anderes die Klausur anstelle des richtigen Studenten schreibt. Das kommt immer wieder vor. In diesem Semester hatte sich eine Studentin für die erste Klausur angemeldet, dann aber doch ein ärztliches Attest vorgelegt. Aber scheinbar hatte sie doch die Klausur geschrieben. Jedenfalls wurde eine mit ihrem Namen abgegeben. Sie hätte dafür sogar eine Eins bekommen. Der Justitiar fand aber, dass die Klausur nicht anerkannt werden sollte, denn die Studentin war ja krank. In der Nachklausur hat diese Einserstudentin dann die geringste Punktzahl erreicht und ist durchgefallen. Es liegt nahe, dass jemand anderes die erste Klausur für sie geschrieben hatte. Oder hatte sie beim zweiten Mal nur einen schlechten Tag? In der Nachklausur waren übrigens wieder mehr als zwanzig Prozent der Angemeldeten krank. Zwei Studenten meldeten sich wenige Minuten vor Beginn der Klausur per E-Mail bei mir und kündigten an, dass sie ärztliche Atteste nachreichen würden.

Ich will nicht alle Studenten über einen Kamm scheren. Viele sind sehr klug, fleißig, motiviert – und auch ehrlich. Es ist eine Freude, mit solchen Studenten zu lehren und zu lernen. Aber mir fallen Unterschiede zu den Vereinigten Staaten auf, wo ich studiert habe. Niemand kontrollierte uns in Klausuren, ich kann mich jedenfalls an keine Aufsicht wie in Deutschland erinnern. Wir hatten einen Ehrenkodex. Und meine alten Lehrbücher habe ich auch alle noch.

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