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Diskussion an der Uni Hamburg : Wissenschaft und Politik sind schwer zu trennen

  • -Aktualisiert am

Dieter Lenzen, Präsident der Universität Hamburg, spricht während der Jahresversammlung der Hochschulrektorenkonferenz (HRK). Bild: dpa

Ist die Sorge um die Meinungsfreiheit ein aufgebauschtes Problem? Eine Diskussion an der Universität Hamburg im Rahmen der Hochschulrektorenkonferenz sucht Antworten auf diese Frage.

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          Der Freiheit der Wissenschaft widmete die Hochschulrektorenkonferenz die Auftaktveranstaltung ihrer diesjährigen Jahresversammlung. Die Bedeutung des Themas wurde durch die Anwesenheit des Bundespräsidenten unterstrichen. Die gastgebende Hochschule, die Universität Hamburg, war kürzlich selbst als Schauplatz freiheitsfeindlicher Attacken in die Schlagzeilen geraten, als linke Störer den Wirtschaftswissenschaftler und AfD-Mitgründer Bernd Lucke wiederholt zum Abbruch seiner Vorlesung gezwungen hatten. In seiner Rede beschwor Frank-Walter Steinmeier nun die Wichtigkeit einer ungehinderten argumentativen Auseinandersetzung. „Andere zum Schweigen bringen zu wollen, weil sie das eigene Weltbild irritieren“, sei „inakzeptabel“. Man konnte das als einen Kommentar auch zum Fall Lucke verstehen. Doch während Steinmeier Defizite bei der Streitkultur kritisierte, sah er in den Diskussionen um die Grenzen der Meinungsfreiheit nur ein aufgebauschtes Problem, mit dem reaktionäre Kreise sich als Opfer politischer Korrektheit darzustellen versuchten.

          Einblicke in die ideologischen Kampfzonen des Lehrbetriebs gab Dieter Lenzen, Präsident der Universität Hamburg, am Beispiel seiner Hochschule. Er schilderte einige Vorfälle aus einer „ganzen Kette“ von Stör- und Einschüchterungsaktionen: Vermummte Personen stürmten eine Iranistik-Vorlesung, weil der Dozent die politische Rolle von Orientalisten bei der Kolonialisierung verharmlost habe. Ein Doktorand, der zum Anti-Atom-Protestcamp im Wendland der achtziger Jahre forschte, erhielt Droh-Mails aus dem rechtsextremen Umfeld. Fundamentalistische Studenten der Islamwissenschaften forderten in aggressiver Weise von Dozentinnen, Kopftücher zu tragen, und weigerten sich, Unterlagen von Frauen anzunehmen. Die Universität Hamburg hat eine Kommission mit der Dokumentation und Analyse solcher Fälle beauftragt. Auf ihrer Basis, so Lenzen, sollen Empfehlungen für den Umgang mit diesen „schleichenden, scheinbar selbstverständlichen Übergriffen“ entwickelt werden.

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