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Journalismus in Ungarn : Man darf nicht stumm bleiben

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Der ungarische Journalist Szabolcs Dull bedankt sich im Raffaelsaal der Orangerie Sanssouci nach der Verleihung des M100 Media Award. Bild: dpa

Der Journalist Szabolcs Dull war Chef eines Nachrichtenportals in Ungarn. Er flog raus, weil er zu kritisch war. Was rät er Journalisten in seinem Land? Was die EU tun soll, weiß er. Ein Gespräch.

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          Als Chefredakteur leitete Szabolcs Dull „Index.hu“, die reichweitenstärkste Online-Nachrichtenplattform Ungarns, mit zuletzt zwei Millionen Aufrufen pro Tag. Trotz großen Erfolgs wurde er im Juli entlassen, nachdem er öffentlich gewarnt hatte, die Unabhängigkeit des Mediums sei in Gefahr. Seither wird er von regierungsnahen Medien diffamiert. Die gesamte Index-Redaktion stellte sich hinter Dull und reichte die Kündigung ein. Mit einer neuen Plattform kämpfen die Redakteure weiter für die Pressefreiheit in Ungarn. Am Freitagabend wurde Dull für sein Engagement in Berlin der M100 Media-Preis verliehen.

          In welchem Ungarn sind Sie Journalist geworden, wie ist die Situation heute?

          Als ich mich Anfang der zweitausender Jahre dafür entschieden habe, war ich noch ein großes Kind. Ich wollte politischer Journalist werden, weil ich mir sicher war, dass man als solcher etwas verändern kann, und zwar frei von politischen Einflüssen. Der größte Unterschied zwischen dieser Zeit und heute ist, dass es damals noch echte Kommunikation zwischen Journalisten und Politikern gab. Heute ist die Stimmung sehr feindselig, Index.hu hat zuletzt gar keine Interviews mit Politikern mehr bekommen, und Viktor Orbán hat uns als „Fake-News-Seite“ bezeichnet.

          2010 kam Viktor Orbán mit seiner Fidesz-Partei an die Macht. Seitdem befindet sich Ungarn auf der Liste der Pressefreiheit im freien Fall, von Platz 23 auf 89 in diesem Jahr. Wie haben Sie diesen Prozess bei Ihrer Arbeit wahrgenommen?

          Als Orbán Ministerpräsident wurde, habe ich beim staatlichen Rundfunk gearbeitet, und da hat sich sofort alles verändert. Innerhalb eines Jahres waren quasi alle Kollegen weg, sie wurden gefeuert oder haben selbst gekündigt. Uns wurde ganz klar gesagt, dass keine Meldung mehr durchgehen kann, die so nicht vom Ministerium bestätigt wurde. Mit Pressefreiheit hat das natürlich nichts mehr zu tun. 2014 war ich dann bei der Nachrichtenseite Origo angestellt, wo wir über den damaligen Leiter der Staatskanzlei, János Lázár, im Zusammenhang mit der Veruntreuung von Steuergeldern berichtet haben und das auch zur Anzeige bringen wollten. Das wurde untersagt und der Chefredakteur entlassen. Es hat sich also schon länger deutlich abgezeichnet, wie sich die Situation verschlechtert.

          Dann waren Sie auch auf Ihre eigene Entlassung vorbereitet?

          Ich habe es geahnt. In unsere Werbeagentur hat sich dieses Jahr ein regierungsnaher Unternehmer eingekauft. Es war klar, dass mit diesem finanziellen Einfluss eine Umstrukturierung der Redaktion geplant wurde. Wofür es bei unserer sehr großen Leserschaft offensichtlich keinen Anlass gab. Ich habe mich dagegen gestemmt, und es war mir relativ klar, dass ich deshalb entlassen werde. Ich habe zudem offen gesagt, ich hätte den Eindruck, dass die Unabhängigkeit der Redaktion in Gefahr ist. Das nannten die Verantwortlichen dann „Vertrauensverlust“.

          Offiziell hieß es, Ihr Wirken bei Index sei „geschäftsschädigend“.

          Das war ein Teil der Diffamierungskampagne in den Regierungsmedien gegen mich nach meiner Entlassung. Es wurde auch die Lüge verbreitet, dass ich selbst den Zusammenbruch des Blattes gewollt und geplant hätte, ich wurde als Verbrecher dargestellt. Absurd. Ich habe nie ein Gesetz gebrochen und immer für Index gekämpft.

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