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Unesco-Welterbe : Dresden schlägt die „letzte Chance“ aus

  • Aktualisiert am

Bild: dpa

Mit Unverständnis reagieren sächsische Politiker auf die Entscheidung der Unesco, das Dresdner Elbtal im kommenden Jahr von der Welterbe-Liste zu streichen, sollte die Waldschlösschenbrücke gebaut werden. Die Landesregierung und die neue Dresdner Oberbürgermeisterin lehnen einen Baustopp ab.

          Trotz der Gnadenfrist für das Unesco-Welterbe Dresdner Elbtal geht Sachsens Regierung nicht von einem Baustopp für die umstrittene Waldschlösschenbrücke aus. „Wenn die Unesco heute Nacht von ihrer Position überzeugt gewesen wäre, hätte sie entweder den Titel aberkennen müssen oder aber die Fertigstellung der Brücke abgewartet. Ich halte es für unwahrscheinlich, dass die Dresdner die Brücke zurückbauen“, sagte Regierungssprecher Peter Zimmermann am Freitag. Die Unesco hatte Dresden in der Nacht ultimativ aufgefordert, auf den Brückenbau zu verzichten. Andernfalls werde der Titel im kommenden Jahr definitiv entzogen.

          Die neue Dresdner Oberbürgermeisterin Helma Orosz (CDU) hat den Beschluss der Unesco scharf kritisiert. Die Entscheidung sei unverständlich und ungerecht, erklärte sie am Freitag in Dresden. Der Beschluss bedeute faktisch die Streichung von der Welterbeliste. Orosz kündigte zugleich an, in jedem Fall am Bau der Brücke festhalten zu wollen. Der Unesco warf sie Fehler im Verfahren vor.

          „Hätten den Antrag niemals stellen sollen“

          Orosz forderte, Dresden sollte den Bau jetzt fortsetzen. „Diese Brücke beeinträchtigt das Welterbe Dresdner Elbtal nicht.“ Jeder wisse, dass Dresden auch ohne den Titel Welterbestadt bleibe. Orosz verwies auf den Bürgerentscheid aus dem Jahr 2005, bei dem die Dresdner mehrheitlich für die Brücke gestimmt hatten. Sie betonte, ein Verzicht auf die Brücke wäre gegen den Bürgerwillen und damit rechtlich höchst fragwürdig. Auch wäre es sehr teuer für Dresden, die halbfertige Brücke abzureißen. Orosz warf der Unesco „unverständliche Verfahrensfehler“ und nach der Titelverleihung eine plötzliche Meinungsänderung vor. Dresden habe den Titel von Anfang an nur mit der Brücke haben wollen. „Aus heutiger Sicht hätten wir ihn (den Antrag) vielleicht niemals stellen sollen.“ Orosz war Ende Juni mit deutlicher Mehrheit zur neuen Oberbürgermeisterin gewählt worden. Bereits im Wahlkampf hatte sie sich klar für die umstrittene Brücke ausgesprochen. Ihr Amt tritt sie Anfang August an.

          Für die Waldschlößchenbrücke Elbe in Dresden sind bereits Betonfundamente gegossen, Erdmassen bewegt und Bäume gefällt worden

          Sachsens Kunstministerin Eva-Maria Stange (SPD) hingegen forderte, „diese letzte Chance“ nun zu nutzen. „Dresden sollte jetzt sofort den Brückenbau stoppen und eine Expertenkommission damit beauftragen, einen Tunnel zu prüfen“, erklärte die Ministerin, die derzeit auch Präsidentin des Nationalkomitees für Denkmalschutz ist. CDU-Ministerpräsident Stanislaw Tillich und die Dresdner Stadtverwaltung lehnen Änderungen am geplanten Bau ab.

          Merkel: „Zeit gewonnen“

          Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) begrüßt die Entscheidung der Unesco, Dresden eine Frist von einem Jahr einzuräumen. „Damit ist Zeit gewonnen“, sagte der stellvertretende Regierungssprecher Thomas Steg am Freitag in Berlin. Nun könne man ein Jahr lang noch einmal sehr intensiv die unterschiedlichen Belange prüfen. Es handele sich nicht um eine Denkpause, sondern um eine „Pause zum Denken“. Wenn gewünscht werde sich die Bundesregierung einer Lösung bei der Konsenssuche nicht verweigern, betonte Steg. Auch das Auswärtige Amt begrüßte den Aufschub. Dies sei Ausdruck der großen Wertschätzung, die das Welterbekomitee der Zusammenarbeit beimessen, sagte Außenamtsstaatssekretär Günter Gloser. Das Ministerium stehe weiter bereit, Dresden bei der Suche nach einem Konsens zu unterstützen.

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